Mittwoch, 4. Februar 2026

Wolf Haas, Wackelkontakt

Die Idee ist - da haben alle sich vor Begeisterung überschlagenden Kritiker vollkommen Recht! - bisher einzigartig, witzig, sozusagen “kleinteilig” brillant. Mit geradezu korinthenkackerisch-pedantischer Ausführung.

Zwei gegenläufige Geschichten, die ineinandergreifen wie die diese Geschichten inspirierenden sich gegenseitig zeichnenden Hände des Künstlers M.C. Escher - einer der Protagonisten trägt ebenfalls den Namen Escher und erpuzzelt sich auch dieses Bild. Motive, die ihre Spiegelmotive bedingen und auf mehreren Ebenen sich spiegelnd widerscheinen.  Viele Einzelstränge, die zu Einzelteilen zerlegt irgendwann doch wieder in die anderen greifen und ein Bild werden. 

Wolf Haas hat in diesem Roman nicht nur das Puzzlen zu einem Hauptthema werden lassen, sondern alle Teile der Geschichte wie das große Puzzle mit dem fehlenden Mittelteil “Die Erschaffung Adams” aus zwei Welten / Geschichten mit einem fehlenden und erst zur Auflösung gelieferten Mittelteil behandelt. Auch hier wieder die Episode in der Geschichte eine Beschreibung des Buchkonzepts.  Ich könnte mir vorstellen, dass dazu ein gerüttelt Maß an Aufmerksamkeit und Bastelgeschick gehört hat. Gab’s so meines Wissens nach noch nie.

Die beiden Geschichten als solche - diese “Kritik” bzw. “unbedeutende Randbemerkung” erlaube ich mir - nicht so wirklich prall spannend. Trotz sehr lebendig gezeichneter Figuren mit auch humorigen Zügen. Fand ich zumindest. Jede einzelne eher eine etwas … dahinplätschernde … Erzählung zweier Hauptfiguren über einige Jahrzehnte (was die zeitliche Logik angeht … hätte ich hier und da auch ein paar Einwürfe parat ;), die jede für sich eher so “naja” sind.

Die eigentliche Story ist dieser sehr spezielle Plot. Das Aufeinanderzulaufen, das entstehende Gesamtbild.

Mir war schon an einer sehr frühen Stelle klar, wo das “entscheidende Mittelteil” sich versteckt hatte. Bzw. wusste ich, auf welchem noch geheimen Clou die Handlung basiert. Was aber normalerweise die Freude am Lesen eher mindert, hat sie mir hier erst richtig aufgebaut!

Plötzlich fand ich die beiden Geschichten relativ nebensächlich und wollte in erster Linie wissen, wie die einzelnen Stränge und offenen Punkte zusammengebracht und die verwirrten Fäden gelöst werden. Der Spaß entstand - jedenfalls für mich - stärker aus dem nachträglichen Zuschauen beim Schreibprozess und der Teilefindung. Obwohl ich selber real mit Puzzles gar nicht soo viel anfangen kann.  



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