Samstag, 10. Oktober 2026

Alina Bronsky, Essen

„Jeder könnte ein Buch über Essen schreiben, das genauso einzigartig wäre wie sein Fingerabdruck.“

Ein Zitat aus dem Buch von Alina Bronsky, das mich sofort angesprungen und - wie vermutlich jeden einzelnen seiner anderen Leser auch - dazu angeregt hat, dem eigenen Fingerabdruck in puncto Ernährung nachzuspüren. 

Persönlich spürte ich z. B. zurück in das Gefühl der Hausschlachtungstage mit frischem Thüringer Mett und Wurstsuppe. Aber auch zu den für mich unessbar matschig gekochten Gartengemüsen in Mehlschwitze. Erinnerte mich an die ausgerechnet in einer Mensa der achtziger Jahre mich ereilende staunende Erkenntnis, dass sogar Wirsing nicht nur essbar sondern richtig zubereitet richtig lecker sein kann. Mir fiel auf, dass mit den sich ändernden Lebensstationen, den persönlichen Entwicklungsschritten auch ein jeweils tiefgreifender Wechsel der Ernährungsgewohnheiten einherging. 

Es ist ein leichter amüsanter Lesespaziergang, der Freude bereitet und zum Weiterschlendern anregt.

Erscheinungsdatum: 16.09.2025
112 Seiten
Hanser Berlin
ISBN 978-3-446-28152-3
Deutschland: 20,00 €


Wenn Bestsellerautorin Alina Bronsky über Essen schreibt, geht es ans Eingemachte: Um Liebe, Hass, Verführung und Erpressung. 

Nur wenige Dinge sind so privat und so öffentlich, so zelebriert oder verheimlicht, so omnipräsent und zugleich verdrängt wie die Speisen, die wir zu uns nehmen. Jeder könnte ein Buch über Essen schreiben, das genauso einzigartig wäre wie sein Fingerabdruck, behauptet Alina Bronsky, und schreibt nun ihres: Eine höchst subjektive Erzählung über ihre persönliche Beziehung zu Porridge, Schokolade, Butterbrot, Borschtsch oder der Vogelmilchtorte. Denn für sie sind diese Speisen nicht einfach nur Nahrung, sondern ein Mittel der Fürsorge, Emanzipation, emotionalen Erpressung, das mal nach Heimat schmeckt, mal nach Liebe, Hemmungslosigkeit oder Askese. Ein bittersüßes kulinarisches Lesevergnügen: manchmal komisch und manchmal melancholisch.

🍲 🍞

Montag, 5. Oktober 2026

Alex Schulmann, Jetzt beginnt das Leben

Großartiger, bewegender und ausgesprochen ungewöhnlich konstruierter Roman. Zwischendurch Lesepausen machen: schwierig bis nahezu unmöglich. Was für ein spannender Plot. Autofiktionale Bewältigung einer traumatischen Kindheit im Krimieinband sozusagen. 

ISBN : 978-3-423-28579-7
Erscheinungsdatum: 20.08.2026
352 Seiten 
Aus dem Schwedischen von Hanna Granz

Klappentext:

Ein Mann telefoniert mit seiner Vergangenheit

Vidars Leben ist aus den Fugen geraten. Nach einem gewalttätigen Vorfall in der Schule wird er vom Lehrdienst suspendiert. Als er zu Hause zufällig die Telefonnummer des alten Sommerhauses der Familie findet, wählt Vidar aus einer Laune heraus die Nummer. Es meldet sich sein Vater, der längst tot ist. Bald versteht Vidar: Am anderen Ende der Leitung ist immer der 17. Juni 1986, ein Tag aus seiner Kindheit. Es öffnet sich eine Falltür in die Vergangenheit. Anruf für Anruf versucht Vidar, jeden Schritt seiner Familie an diesem Tag nachzuvollziehen. Er überschreitet eine Grenze nach der anderen. Und während sich der Tag seiner Kindheit langsam auflöst, zieht sich die Schlinge in der Gegenwart immer enger zu.


Sonntag, 4. Oktober 2026

Wendy Syfret, Der fröhliche Nihilist

Fragen, die sich fast jeder irgendwann irgendwie stellt. Oder doch nicht jeder? Wendy Syfret schreibt über den Umgang damit und es ist okay, mal wieder ein bisschen mitzudenken und das eigene Denken und den eigenen Umgang mit den Sinnfragen, der  ja doch im Laufe eines Lebens ein paarmal die Tendenz verschiebt, nochmal Revue passieren zu lassen. Feststellen: es ist auch eine Alters-, Kultur- und Lebenssituation-bezogene Frage bzw. die persönliche Antwort darauf von diesen Faktoren mit abhängend.

Einbeziehung unterschiedlicher früherer philosophischer Betrachtungen, Gott, Liebe, Arbeit, Covid … alles ist drin. Manches hab‘ ich überflogen, manches interessant gefunden. Hab‘ ich so im Vorbeigehen mitgenommen und das kann man schon machen.

Autorin: Wendy Syfret (aus dem Englischen von Nikolaus Stingl)

Verlag: Goldmann Verlag 

Erscheinungsdatum: 18. Juli 2022

Seitenanzahl: 240 Seiten

ISBN-13: 978-3-442-17917-6


Klappentext:

Seit jeher suchen wir Menschen in unserem Dasein und Tun eine Bedeutung, doch gegenwärtig erleben wir einen regelrechten Sinnsucher-Boom, der in alle Lebensbereiche hineinwirkt und uns die Leichtigkeit raubt. Vom morgendlichen Kaffee bis zum Wochenendausflug wird jedes Ereignis optimiert – und das, obwohl es unterm Strich unerheblich ist, wie wir unseren Trendkaffee brühen oder ob wir lieber lesen statt Sport zu treiben. 

Wendy Syfret nimmt den Druck von uns. Mit viel Witz und Charme plädiert sie für eine nihilistische Geisteshaltung, die den Kult des Sinns ablehnt und unsere relative Bedeutungslosigkeit im Universum als positive Realität akzeptiert. Denn wenn das Leben keinen Sinn hat, können wir auch einfach glücklich und gut zueinander sein, oder?


Zwei Zitate noch, die für mich persönlich das Thema zentral erfassen:


„Leider befreit der Glaube, dass nichts von Bedeutung ist, uns nicht von der Notwendigkeit, am Austausch von Zeit, Geld und Energie teilzunehmen, was eine Gesellschaft erst zu einer solchen macht und nicht zu einem Gewirr von Philosophen, die frei herumlaufen und sich fragen, wer das Mittagessen kochen wird.“


„Wir machen die Frage nach dem Sinn unwahrscheinlich groß, um damit auszugleichen, wie unwahrscheinlich klein wir sind.“


🤷🏻‍♀️


Donnerstag, 1. Oktober 2026

Johanna Frid, Haralds Mama

… und alle irgendwie auf Droge …

Die Bewertungen in der Onleihe und auf anderen Portalen sind entweder extrem mies oder voll der Begeisterung. Beides kann ich verstehen irgendwie. Habe beim Lesen gehadert, gelitten und gelacht.  Lasse ich die anderen beurteilen.

Über das Buch

„Beide warten auf Harald: Lebensgefährtin und Mutter. Die eine Anfang 30, die andere Mitte 70. Beide Frauen sitzen in der Wartehalle eines klaustrophobisch kleinen Flughafens im Norden Schwedens. Und sie liefern sich einen Kampf, der einem Strindberg-Drama in nichts nachsteht. Harald musste wegen seiner Tablettenabhängigkeit in eine Klinik, und nun soll er endlich wieder nach Hause kommen. Aber in wessen Zuhause, in das seiner Freundin oder das seiner Mutter? Harald, der Golden-Retriever-Mann, musste sich bisher nie entscheiden. Als Haralds Ankunft sich wegen eines Schneesturms verzögert, eskaliert der Streit. Bis wir alle nicht mehr wissen, zu wem Harald zurückkehren sollte …“ 
— Frid, Johanna. „Haralds Mama.“ Eichborn, p. 3

  • VERLAG: Eichborn
  • SEITENZAHL: 320
  • ERSTERSCHEINUNG: 25.07.2025
  • ISBN: 9783847902188



Donnerstag, 24. September 2026

Daniel Schreiber, ALLEIN

Beeindruckendes Essay - tief berührend

Es fasst an, wie Daniel Schreiber das Thema Allein(samkeit) betrachtet: persönlich, offen, nah. Und doch mit kühler philosophisch-wissenschaftlicher Distanziertheit. Es regt beim Lesen an, selber in die Tiefe zu gehen und auch den eigenen schmerzlichen Facetten von Alleinsein, Einsamkeit, der Notwendigkeit, sich von Träumen und Illusionen zu verabschieden, nachzuspüren. 

Ist nicht einseitig wertend, leuchtet klar auf auch gegensätzliche Aspekte. Differenzierend und letztlich die existenzielle, von Beziehungsstati unabhängige Form des Alleinseins erkennend und … akzeptierend …? Lässt vor allem dem Leser die Freiheit seiner eigenen Deutung und Betrachtung der Themen.

Ich hatte unglaublich viele Stellen des mehr zufällig im Vorbeigehen ausgeliehenen Buchs mit Papierfetzchen markiert, um sie später hier zitieren zu können. Mich aber dagegen entschieden. Eine dieser Stellen liest in diesem kurzen Video der Autor selber:


Erscheinungsdatum: 27.09.2021
160 Seiten
Hanser Berlin
Hardcover
ISBN 978-3-446-26792-3
Deutschland: 20,00 €
Österreich: 20,60 €

Klappentext:

„Zu keiner Zeit haben so viele Menschen allein gelebt, und nie war elementarer zu spüren, wie brutal das selbstbestimmte Leben in Einsamkeit umschlagen kann. Aber kann man überhaupt glücklich sein allein? Und warum wird in einer Gesellschaft von Individualisten das Alleinleben als schambehaftetes Scheitern wahrgenommen?
Im Rückgriff auf eigene Erfahrungen, philosophische und soziologische Ideen ergründet Daniel Schreiber das Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch nach Rückzug und Freiheit und dem nach Nähe, Liebe und Gemeinschaft. Dabei leuchtet er aus, welche Rolle Freundschaften in diesem Lebensmodell spielen: Können sie eine Antwort auf den Sinnverlust in einer krisenhaften Welt sein? Ein zutiefst erhellendes Buch über die Frage, wie wir leben wollen.“



🏝️

Dienstag, 22. September 2026

Irene Solà, Singe ich, tanzen die Berge

Fand ich die Schreibweise anfangs noch ein bisschen „abgedreht“, skurril und vielleicht sogar etwas verwirrend, kam mit den Seiten der Flow. Es ist besonders  und kein Wunder, dass es Preise eingeheimst hat, das Buch der katalanischen Schriftstellerin Irene Solà. Und in viele Sprachen übersetzt wird. 

Klappentext:

„Gewitterwolken schürfen über den Rücken der Pyrenäen und ein Blitz erschlägt den dichtenden Bauern Domènec, dessen junge Frau Sió mit ihrem Schwiegervater und ihren Kindern allein zurückbleibt. Doch das Leben geht weiter. Teilnahmslos beobachten die Berge das Werden und Vergehen derer, die dort leben. Die junge katalanische Schriftstellerin Irene Solà, die für diesen Roman 2020 mit dem Europäischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde, erschafft und belebt eine vielstimmige und poetische Welt, erzählt durch starke Frauen und mystische Stimmen von Großeltern, Eltern, Kindern, Tieren, Geistern, dem Wald und den Wolken. Sie alle bilden diese Geschichten, die auf eine schöne und magische, aber auch tragische Art und Weise miteinander verbunden sind. Alle vereint im Kreislauf von Geburt, Leben und Tod. Solà erzählt die Geschichte der Berge, die die Erinnerung an Jahrhunderte, an geologische Epochen, politische Konflikte und die Verbindung mit der Natur umfasst.“


Irene Solá – Singe ich, tanzen die Berge

Aus dem Katalanischen von Petra Zickmann

Trabanten Verlag März 2022, 208 Seiten


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Dienstag, 15. September 2026

Martin Nusch, „Ganzzz und gaarr missraten“ Die besten O-Töne von Marcel Reich-Ranicki

Wozu soll ich das hören? Wozu soll ich ein solches Buch hören?

Ein Hörbuch, das mit seinen Tonausschnitten von Marcel Reich-Ranicki tatsächlich nur als solches Sinn macht. 

Eindeutig, um sich heftig zu amüsieren. Darum sollte man das schon hören.

Zumindest habe ich mich für meine Verhältnisse stark amüsiert in den 50 Minuten, die es nur dauert. Unterwegs beim Joggen mehrfach laut und herzlich gelacht und ganz sicher werde ich es nochmals hören bevor ich es zurückgebe bzw. die Onleihe abläuft.

Und in noch mehr Beispiele mit Auszügen von Reich Ranickis Sendungen bei Youtube reinschauen.

ISBN 978-3-7424-0067 (2017)


😆


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