Soll heißen: ich fand‘s ein bissel überladen. Aber das soll wohl so.
Ein Durcheinander an belanglosen und tragödienhaft-gigantischen Episoden. Handelnde Personen mit schier unglaublich komplizierten Lebensgeschichten; oft angesiedelt im Künstler-, Weltpolitik- oder Hochfinanz-Milieu. Die Leitgeschichte hier aber abgeschnitten. Quasi im Off. Dazu noch eine vorgelesene Buchgeschichte eingeflochten.
Gegenstände und Schlagwörter manchmal weitgehend zusammenhanglos zwischengestreut, in denen schnelle Autos, teure Klamotten, hochpreisiger Alkohol oder presseumwimmelte Veranstaltungen eine Rolle spielen oder sexuelle (Männerwunsch?) Phantasien. Irgendwie spielen Schuld und Verdrängen die Hauptrollen. Einfrieren, sich erinnern, erkennen von Gemeinsamkeiten. Parallelbilder.
Die Sprache Steinfests wurde von anderen Kritikern mit „beschwippste Fabulierlust“ bezeichnet und so könnte man es nennen denn oft verwischen die Zusammenhänge und Handlungen im Unverständlichen. Die gemalten Bilder sind eher springend. Ich gestehe: meins ist‘s zumindest hier nicht wirklich. Vielleicht mal einen anderen Titel vom preiseüberschütteten Autoren versuchen? Weiß noch nicht ….
Leseprobe:
Champagner gehörte für Robert zu den Getränken, die bei ihm gleich hinter Wasser rangierten. Er konnte Wasser einfach nicht leiden. Sosehr er um dessen Bedeutung für das Leben wusste, und sosehr es ihm Kraftstoff in seiner Zeit als Boxer gewesen war. Er winkte den erneut vorbeieilenden Kellner zu sich und flüsterte ihm eine Bestellung ins Ohr. Der Eiskunstläufer nickte und glitt davon. Um nur wenig später mit einem wuchtigen, kreisrunden Glas zurückzukehren, darin die honiggelbe Flüssigkeit eines vierzehnjährigen Iren in sanften, öligen Wellen gegen die gläserne Wand stieß. O ja, das war sein Wasser, Uisge Beatha, das Wasser des Lebens.
Eingedenk des bekannten schottischen Trinkspruchs, nach dem ein Glas fabelhaft, zwei zu viel und drei zu wenig seien, konnte man Robert – so rettungslos verliebt und rettungslos verloren – zur Gruppe derer zählen, für die drei zu wenig waren.
Obgleich er wusste, dass das sein Unglück war. Und damit waren gar nicht seine Leber oder sein Verstand gemeint. Sondern der Umstand, die vernünftige Gruppe derer, die ein Glas fabelhaft fanden, verlassen zu haben. Seine Liebe allein im Zustand der Maßlosigkeit leben zu können.
Das ging so weit, dass, wenn er nachdachte, welche Menschen ihm die liebsten waren, er jene auswählte, die so versoffen waren wie er selbst. Auch wenn er sonst rein gar nichts Gutes an denen finden konnte.
Natürlich war es anders bei seinen Töchtern, die er zum wiederholten Male mit seinen langen, mächtigen Bildhauerhänden umfasste, während er in der einen Hand noch immer sein Glas hielt, in dem seine Geliebte schwamm.
Er war bekanntermaßen ein Tier, jemand, der ungemein viel aushielt und viel vertrug, so, wie er früher ungemein viele Schläge hatte einstecken können. Aber auch Leute, die viel einstecken können, fallen irgendwann einmal um. — Steinfest, Heinrich. „¬Der¬ betrunkene Berg.“ Piper ebooks, p. 135,136
KLAPPENTEXT
ISBN 9783492070133
Gebunden, 224 Seiten,









