Sonntag, 10. Mai 2026

Dr. Rahul Jandial, Warum wir träumen

„Daher sollten wir unsere Träume nicht geringschätzen, nur weil sie auftreten, wenn wir schlafen, oder weil sie nicht der Logik unserer Wachzeiten gehorchen. Träume sind einfach eine andere Form des Denkens. Gerade ihre Wildheit verleiht ihnen das Potenzial, tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen“. — Jandial, Dr. Rahul. „Warum wir träumen.“ Rowohlt E-Book, p. 12

„Das Gehirn als Geschichtenerzähler“ - so sieht es auch der Neurochirurg Dr. Rahul Jandial in seinem fesselnden populärwissenschaftlichen Buch. 

In keiner Weise esoterisch und noch weniger „übersinnlich abgedreht“ sondern auf sachlich-wissenschaftlichem Fundament wird hochspannend, menschlich und inhaltlich mitreißend neben wissenschaftlich fundierten Erklärungen zu Aufbau, Abläufen und Funktionsweisen des GehirnsAbläufe insbesondere im Schlaf und auch über Bedeutungen von Träumen in Bezug auf  Lebensfragen philosophiert. Über die Untrennbarkeit von Körper und Geist zum Beispiel und die Sinnhaftigkeit auch vordergründig nutzlos erscheinender Trauminhalte. Und  mehr.

In jedem Kapitel habe ich mich auf das nächste schon gefreut, bin mitgegangen, habe auf mich selber rückgekoppelt und - dazu am Ende dieser kleinen Vorstellung mehr - einen ersten erheiternden Selbstversuch gleich angeschlossen.




😴 💭 

Kleiner thematisch passender Exkurs zum Selbstversuch - dazu zunächst eine Rückschau:

2021 war es, als ich durch eine nicht mehr konkret erinnerte Lektüre auf die Idee kam, das luzide Träumen zu versuchen bzw. einzuüben. Denn aufgrund meines üblicherweise sehr tiefen Schlafs erinnere ich mich nur sehr selten an Träume oder Traumfetzen. Dabei gab es in meinem Leben einige sehr intensive Klarträume, die für den eingeschlagenen Lebensweg umgehende Bedeutung bekamen weil ich sofort nach dem Aufwachen wusste, was zu tun ist. Einige Male mit wirklich nennenswerten Konsequenzen.

Im Laufe des Lebens wurden die Träume weniger turbulent, noch seltener als vorher bedrohlich, meistens eher schön und freundlich. Wirklich schlimme Alpträume blieben gänzlich aus. Wenn erinnert, dann tendenziell in Bilanz als schön und inspirierend. 

Was also lag näher, als mich darin zu üben, mehr Träume zu erinnern. Absolvierte entsprechende Übungen  vor dem Einschlafen und auch sonst tagsüber. Anleitungen dazu fanden sich leicht. Erste Erfolge stellten sich unerwartet schnell ein, ich führte ein Traumtagebuch, stellte dieses irgendwann zunächst ein, ließe es 2024 nochmal aufleben. Wieder kamen die Erfolge schnell aber irgendwann entschied ich, nicht weiterzugehen in Richtung „Traumbeeinflussung“. Fand es besser, dass sich das Hirn wenigstens im Schlaf unkontrolliert ausagieren durfte und ließ wieder alles laufen. Dadurch verebbte auch das Erinnern der Träume und wieder erinnerte ich mich nur sehr selten an kurze Sequenzen.

Gestern nun der Gedanke: „Aller guten Versuche sind drei“, absolvierte  abends eine erste Meditation zum luziden Träumen, verinnerlichte die im Buch genannte Lehre: „Wenn du im Schlaf überprüfen möchtest, ob du träumst oder schläfst, solltest du über eine längere Zeit hinweg tagsüber, abends und als Vorsatz auch im Schlaf versuchen, etwas mit komplexer Struktur zu zählen. Weil das Gehirn sich im Aufbau solcher Bilder schwertut und Träume visuell sind. Beispiele waren: Finger zählen, die Uhrzeit überprüfen oder einen Text lesen wollen. Denn das funktioniert im Traum meistens nicht und manch ein luzider Träumer kann auf diesem Weg im Traum erkennen, dass er träumt. Braucht angeblich aber etwas Übung.

Vielleicht wirken die Übungen von vor Jahren noch. Denn dies war mein Traum, den ich in völliger Klarheit beim Aufwachen noch im Kopf und Gefühl hatte (auf den entscheidenden Part gekürzt):

Mit einer weiteren Person, die mir sehr vertraut war, von der ich aber nicht weiß, wer es konkret gewesen ist und nicht einmal, ob weiblich oder männlich, ging ich durch ein weites leeres Gebäude, das einer Shopping-Mall ähnelte. Es waren in Entfernung dunkle, seriöse, grau gekleidete Gestalten unterwegs aber wir versuchten, uns nicht bemerkbar zu machen. Wussten: das ist besser so. Bei allem, was passierte, warnte mich die Begleitperson (mein vorsichtigeres Ich - eine Art Schutzgestalt? Am wahrscheinlichsten aber mein waches ICH, das ich mitgenommen hatte in die Traumwelt) vor den möglichen Gefahren und drängte sanft, doch bitte vorsichtiger zu sein. 

Wir kamen an eine hohe Glaswand, hinter der es dunkel war. Beim Näherkommen sahen wir darin aber einen Wald, in dem Rehe ästen. Wir gingen näher - ich wollte unbedingt mehr sehen. Wieder mahnte die Begleitung zur Vorsicht. Da kam ein Hirsch mit einem großen Geweih aus dem Unterholz. Das Geweih sah ungewöhnlich aus: wie aus einer Kinderzeichnung oder aus naiver Malerei. 

Ich wies meine Begleitung auf dieses Phänomen hin, diese meinte aber, das sei sicher nur eine andere Art und ich solle doch bitte mitkommen. Ich blieb aber weiter stehen und wollte die  Geweihenden zählen. War mir nicht sicher, ob es ein Sechzehnender oder doch nur ein Vierzehnender ist. Fand das komisch. Die Begleitung wurde sehr ungeduldig und bat eindringlich, weiterzugehen.

Mir war aber sehr, sehr dringlich bewusst, dass die Zahl der Geweih-Enden die Lösung eines Rätsels ist und ich verdammt nah dran bin.. Ich kam nur nicht drauf, welches Rätsel. Strengte mich ordentlich an … da senkte der Hirsch wie drohend das Geweih und kam langsam auf mich zu.

Angst hatte ich trotz der leicht bedrohlichen Situation immer noch keine. Wusste aber sofort, dass es besser ist zu gehen. Dachte: „Das ist die Welt der Tiere, hier habe ich eigentlich nichts zu suchen.“

Wachte auffällig gut gelaunt und energiegeladen auf. Hatte gleichzeitig das Gefühl, wunderbar geschlafen zu haben. Der Traum ließ nun wirklich keinen Raum für Interpretationen. Wenn ein Traum die Bezeichnung „Klartraum“ verdient, dann doch wohl dieser. Erzählte dem besten aller Ehemänner davon und sein Kommentar lautete trocken: 

„Du wieder! Fünf Finger zählen reicht natürlich nicht. Bei dir muss es gleich ein Sechzehnender sein!“

🤭




Dienstag, 5. Mai 2026

Michaela Bayer & Sara Loy, Am Ende zählt das Jetzt



Das Thema der Sterbebegleitung bzw. Hospizbetreuung beschäftigt mich momentan ein wenig intensiver. Im Zuge dessen bin ich auf dieses Buch gestoßen. Es ist informativ, unterhaltsam und hat mich an einigen Stellen sehr berührt.


ISBN/GTIN 978-3-8312-0648-3

Buch - EinbandKartoniert, Paperback

VerlagKomplett Media

Erscheinungsdatum07.10.2025

Seitenzahl 208 


🥀


Sonntag, 3. Mai 2026

Abgebrochene Bücher 2026

Nachdem ich in den letzten Tagen gleich zwei Bücher irgendwo in der ersten Hälfte abgebrochen habe, habe ich mich entschlossen, sie zur besseren Merkbarkeit in einer Sammelliste, die dann jeweils aktualisiert wird, zu notieren und dadurch hier auch samt Abbruchgrund vorzuzeigen. Sonst kann ich mir gerade diese AutorInnen gar nicht merken. 


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Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2025

ISBN 9783608966886
Gebunden, 192 Seiten

Dieses - wie es NDR Kultur nennt - Psychodrama bzw. Duell ums Überleben hat es aus irgendwelchen mir selber nicht ganz klaren Gründen nicht geschafft, mich zu fesseln. Obwohl es mir im Grunde auch in keiner Weise sonderlich negativ aufgestoßen ist.
Es war schlicht - als Ausleihe der Stadtbibliothek schon in Maximalverlängerung - nie Hauptdarsteller. Mehrfach reingelesen, in Stückelungen bis ca. 1/4 gekommen, immer wieder reindenken müssen, von anderem Lesestoff überflügelt worden, ist nun die maximale Ausleihdauer erreicht und es muss morgen zurückgegeben werden.
Habe ich schnell noch punktuell reingelesen, ob es die Mühe wert ist, direkt nach Rückgabe um Neuausleihe anzuklopfen. Aber auch die zufällig angelesenen Seiten im hinteren Teil vermochten nicht, mich davon zu überzeugen.



    💢

    Erscheinungsdatum:13.05.2025
    ISBN:9783499017407
    Umfang:384 Seiten
    Verlag:ROWOHLT

    Der Covertext klang vielversprechend. Und vermutlich taten auch das Coverbild samt Label „SPIEGEL Bestseller“ ihre subtile Wirkung des Köderns.

    Leider hielt es für mich nicht, was ich mir davon versprochen hatte. Selbst wenn man liest und auch glauben mag, dass es sich beim Gelesenen um sehr emotionale Ereignisse gehandelt hat, kommt das beim Lesen  nicht oder kaum rüber. 

    Hinzu kommt, dass ich die Musikerin weder als Bandleaderin der Gruppe „Jennifer Rostock“ noch als Solokünstlerin „Yaenniver“  kannte und mich ihr Werdegang als solche nicht fesseln konnte. Sie betont es mehrfach, wie sehr die Bühne „ihr Ding“ ist. Mag sein. Kann ich nicht beurteilen. Das Schreiben ist es meiner Meinung nach eher nicht. Und ich neige nicht zum Groupie. Habe nach ca. 150 Seiten abgebrochen.


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    Irgendein Rezensent hat geschrieben, es handele sich bei Paul Bokowski um den lustigsten Autoren Berlins. Da ich sonst keine lustigen Berliner Autoren kenne, kann ich das nicht wirklich beurteilen aber mein Humor wurde nicht wirklich getroffen.

    Mag auch sein, dass es ein bisschen daran liegt, dass seine Geschichten sich schlicht durch die Jahre, die seit dem Erscheinen des Buches sind, überlebt haben. Witze über Mütter und andere ältere Leute, die *oh Schreck* plötzlich im Internet auftauchen, mögen einige noch vor einem Dutzend Jahren lustig gefunden haben; inzwischen ist es einfach nur noch „Fragezeichen“?


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    Auch hier gilt: vermutlich reine Geschmackssache. Ich würde nie behaupten, dass irgendwas schlecht geschrieben wäre an den Geschichten. Vielleicht taugte mir auch in erster Linie das Hörbuch-Format nicht. Jedenfalls stellte ich irgendwann fest, dass ich mich beim Zuhören über die Inhalte langweile, ich die Episoden völlig belanglos finde. Oder sogar in ihrer Denkrichtung bzw. den Handlungsmustern nervig. 

    Es sind Geschichten aus dem Leben der Autorin, in denen sich ein sehr unterschiedliches Denken, eine andere Herangehensweise etc. zeigt als ich sie selber habe oder in vergleichbaren Situationen haben würde. Was ansich auch interessant oder sogar das Interessante an Geschichten sein könnte: das Andere. In diesem Fall hat‘s mich aber nicht gepackt und ich so ca. nach dem ersten Drittel aufgehört.

    Immerhin war ich neugierig genug, mich auf der Webseite der Onleihe einzuloggen (was ich so gut wie nie tue), nur um nachzusehen, auf wie vielen Bewertungen die dortige fünf-Sterne-Bewertung basiert. Was man in der App nicht nachschauen kann, auf der Webseite aber schon. Es war exakt eine Bewertung ;)


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      Samstag, 2. Mai 2026

      Éric Vuillard, Die Tagesordnung

      Matthes und Seitz, Berlin 2018
      ISBN 9783957575760
      Gebunden, 128 Seiten

      Als Namen und starre geschichtliche Figuren abgespeicherte mehr oder weniger bekannte und prägende Gestalten der Zeit des dritten Reiches bekommen Gesichter und werden beim Lesen der Episoden zu bewegten Persönlichkeiten mit vor allem ganz banalen menschlichen Zügen.

      Für mich wieder so ein Buch, bei dem ich länger den Beteiligten und Episoden  hinterhergoogele als ich faktisch lese. Zum Beispiel um die Essenz der gerade noch nachprüfbaren Fakten (soweit es diese überhaupt je gibt) dem dazugeschriebenen Gemutmaßten gegenüberzustellen oder mir das zu jeder Episode auch anders Denkbare im Kopf selber zu gestalten. Sozusagen nochmal eine weitere Geschichte und Psychogramme dazuzuüberlegen. 

      Viele spannende „Kleinigkeiten“ dazuerfahren.


      🏴‍☠️

      Montag, 27. April 2026

      Mark Twain, Das Tagebuch von Adam und Eva

      Erschienen am 06.03.2011
      ISBN: 978-3-86647-599-1
      Verlag: Anaconda
      Seitenzahl: print 96, eBook 75

      Fast wäre diese Neuauflage von Marc Twains Erzählung unter der Blogrubrik „abgebrochen“ gelandet. Zu sehr haben mich die extrem dick aufgetragenen Geschlechterklischees genervt. Und fast noch mehr die vielen zeitlichen und inhaltlichen Unlogiken. Die Erzählung strotzt nur so davon. Ich wähnte mich in einer Schenkelklopf-Büttenrede. 

      Der erste Adam-Teil war an einigen Punkten noch so einigermaßen *nojo*. Den Eva-Part hätte eine humorvolle Frau möglicherweise besser gestaltet. 

      Die Idee wiederum finde ich lustig. Hat ein bisschen was von „Caveman“ und „Cavewoman“.  Das dachte sich offenbar auch ein Filmemacher und bastelte 2023 nach der Vorlage von Marc Twains Erzählung eine gleichnamige Fantasy-Komödie  (ich kenne sie nicht).

      Weil das eBook lediglich 75 Seiten zählt, las ich es doch flott zu Ende und nach einem Weilchen des Sacken Lassens  verzeihe ich die nervigen Parts aus Sentimentalität fast schon wieder. Es gab auch ein paar wirklich lustige und anrührende Stellen.


      🍎🐍

      Sonntag, 26. April 2026

      Marc Raabe, Die Dämmerung

      Verlag Ullstein
      Seitenanzahl 512 Seiten
      ISBN 9783548070490
      Erscheinungstag 27.02.2025

      Dass es sich bei diesem Thriller um den zweiten Teil einer Serie handelt, war mir beim Ausleihen nicht klar. Ist aber nicht schlimm denn er lässt sich auch ohne den ersten Teil zu kennen ohne Verlust lesen. Hier und da wird ein Kurzbezug auf den vorherigen Teil hergestellt, der für die Handlung dieses Krimis aber keine Bedeutung hat sondern lediglich die Beziehungen der Personen und einige von deren Hintergründen kurz rekapituliert.

      Eindeutig einer der besseren Krimis. Spannend. Ziemlich verschachtelt; am Anfang musste ich immer mal wieder die handelnden Personen auf die Reihe bekommen bis sie halbwegs saßen. Manchmal muss man lesen und der Bezug wird erst später erklärt. Was aber aufgrund der gut aufgebauten Spannungsbögen mit auch wechselnden Perspektiven innerhalb der Kapitel kein Problem ist. Sprachlich nicht irgendwie überkandidelt sondern eher solide beherrscht in dramaturgischer und spielerischer Hinsicht. Die gelegentlichen Längen, die dem ineinander verwoben aufgebauten Handlungskomplex geschuldet waren, störten dadurch höchstens minimal.

      🦌

      Samstag, 18. April 2026

      Hauke Goos, Die Magie der Deutschen Sprache

      • 50 literarische Glanzlichter von Kafka bis Loriot (Festeinband)

      „Klare Gedanken, klare Sätze. Ob einer schreiben kann, zeigt sich vor allem dann, wenn es um komplexe, abstrakte Dinge geht; ein Erdbeben oder einen Schiffsuntergang schildern kann schließlich jeder. „

      .

      „Ein Text ist ja immer beides, Form und Inhalt, Satzfolge und Satzmelodie - das, was er beschreibt und zugleich das, was er auslöst beim Leser.“


      Sprache war und bleibt immer auch meine Lieblingsmusik. Wieder hinhören, sie anklingen und nachschwingen zu lassen, das Verweben von Lauten und Inhalten. Harmonie und Gleichklang, Dissonanz und Missklang erleben, genießen, sich daran reiben. 


      Hauke Goos mit seinem Buch hat die Lust darauf neu entfacht. Mich vom schnelllesigen Digital-Drübergehuschel zurückgebremst, Gehörgänge samt Hirnwindungen geputzt. So eine Art Hörgerät für abgestumpfte Lesenerven installiert.  Seitdem tönen alte und neue Texte wieder viel deutlicher. Für‘s Lesen habe ich mir Zeit genommen, die Stellen aufgeteilt. Wenn viel um mich herum los war, damit pausiert und anderes eingeschoben. 


      Bei mir konkret haben gar nicht mal in erster Linie die im Buch vorgestellten Textausschnitte die Wirkung bestimmt. Manche davon fand ich super ausgesucht, mit anderen habe ich genauso gefremdelt wie mit der Deutung des Autoren. Mich hat es vielmehr bei manch anderen Texten animiert, genauer reinzuspüren, teilweise Altbeständen rauszukramen, dort alte und neue Perlen wahrzunehmen. Was für eine Bereicherung!




      🪩

      Freitag, 10. April 2026

      Charlotte Link, Einsame Nacht

      ISBN: 978-3-442-37920-0
      Blanvalet Verlag, München 2022

      Komplexe Handlung auf beim eBook knapp 400  Seiten. Sauber konstruiert, klassische Krimi-Technik mit diversen Einbahnstraßen-Fehlspuren, möglichen Verdächtigen, wechselnden Spannungsbögen, Handlung-in-Handlung Strängen. Gibt‘s nix zu meckern. Mensch wird unterhalten und darf mit-mutmaßen. 

      Ab und zu kam ich bei den Frauenpersonen durcheinander. Wer war jetzt nochmal Deliah, Sue, Pamela, Anna …? Was mit großer Wahrscheinlichkeit auch den vielen Lese-Unterbrechungen und meiner manchmal huschigen Nebenbei-Lesetechnik geschuldet war. Denn die Charaktere sind insgesamt nicht übertrieben ausgemalt aber gut und sauber skizziert. Das Leitthema „Einsamkeit“ ebenfalls glaubwürdig und inhaltlich ansprechend in die Handlung verwoben.



      🔪

      Mittwoch, 1. April 2026

      Susanne Abel, Stay away from Gretchen



      Wenn ich über den Roman so schreiben wollen würde, dass meine „Einer- und Andererseitse“ halbwegs rüberkommen, würde es lang. Will ich aber nicht: lang drüber schreiben und verlinke schlicht eine der vielen anderen Rezensionen,  die es darüber schon gibt.
       
      💠

      Nachtrag: weil ich direkt im Vorwort eines neu zu lesen begonnenen und schon auf der ersten Seite viel versprechenden Buches (Beschreibung folgt natürlich, sobald fertig gelesen) folgende stimmige These finde:

      „Stil ist nichts anderes als die Übereinstimmung von Inhalt und Form“

      füge ich doch noch eine Anmerkung zum obigen Buch bei: an genau diesem Umstand, dass hier in meinen Augen Form und Inhalt streckenweise ziemlich auseinanderklaffen, habe ich mich beim Lesen bei gleichzeitigem Gefesseltsein vom und Begeisterug für‘s Buch immer mal wieder gerieben. 

      Wenn auch möglicherweise der Zweck, nämlich eine schwierige und wichtige Thematik zu einer großen Leserschaft zu transportieren, das Mittel des - aus sprachlicher Warte betrachtet - Trivialromans heiligen mag, löst dieser Widerspruch von Inhalt und Form bei mir persönlich Widerstand aus. Weil - siehe Zitat - es gefühlt wenig vom Stil hat, den ich bei Sprache liebe. 


      🗝️

      Samstag, 21. März 2026

      Katharina Seiser, 30 Pflanzen pro Woche


      224  Seiten
      2025 1. Auflage
      Brandstätter Verlag
      978-3-7106-0863-6 (ISBN)

      Beim Stöbern gesehen, inspiriert gefühlt und spontan ausgeliehen. Das Thema war mir irgendwann schon oberflächlich über den Weg bzw. einen Bildschirm gelaufen. Vielleicht HIER oder HIER … oder wo auch immer … fand ich es damals auch schon erstens überzeugend und zweitens interessant, mal durchzuzählen oder zumindest grob über den Daumen abzuschätzen, auf wie viele unterschiedliche Pflanzen ich so komme. 

      Als ich dann feststellte, dass ich schon an vielen Einzeltagen zumindest in kräuterreichen Monaten die Zahl 30 relativ locker schaffe und gar nicht erst auf die Woche warten muss, hat mir das gereicht und ich das Thema nicht vertieft. 

      Das Buch schön bunt, die Ernährung immer wieder und vermutlich lebenslang ein mal mehr, mal weniger bewusstes Thema im eigenen Leben, frische ich die Theorie immer gerne auf, erweitere sie um Nuancen, das Betrachten von Trends und Richtungen - mal mehr, mal weniger ansprechend oder überzeugend.

      In diesem Fall um das Wissen, welche Pflanzen überhaupt und wie zu zählen sind: Getreidesorten nur wenn Vollkorn, jede Apfelsorte extra, Gewürze nur ab einer bestimmten Menge …. aber vor allem ohne sklavische Regeln und Blick auf das Minus sondern mit Fokus auf Freude und Bereicherung. Find‘ ich gut. Ein gutes Dutzend der Rezepte habe ich mir - weil nette Anregungen und überraschende Kombinationen dabei waren - auch rauskopiert. Das Darmmikrobiom wird behandelt, die Darm-Hirn-Achse … nichts, was jemand, der Ernährungsthemen im Blick hat, nicht schon gehört hätte.

      Trotzdem auch hier durch die Auffrischung wieder ein bisschen neues und gerade im Frühling die Blickrichtung auf die sprießenden Kräuter gelenkt. Wobei ich auch vor der Lektüre längst frische Brennnesseln, Giersch, Löwenzahnsprösslinge, Pimpinelle, Bärlauch selbstverständlich auch, Schnittlauch und den über Winter und Frühling im Garten versprenkelt irgendwann aus bewusster Saat zum in Wildwuchs übergegangenen Feldsalat ins heimische Essen integriert hatte.

      Die Vorratsschränke voller als ein zwei-Personen-Haushalt (in dem eine der Personen häufig gänzlich unterwegs ist und bei Anwesenheit an mehreren Wochentagen in der Kantine isst) mit nicht ausufernd vielen Besuchern vermuten ließe. Allein die Hülsenfruchtdichte … (immer muss ich mich beherrschen, die „fehlenden“ Sorten - in diesem Fall z. B. rote Linsen, Belugalinsen, dicke weiße Bohnen, Käferbohnen … - nicht sofort nachzukaufen und erstmal wieder die schon vorhandenen zu reduzieren ….)

      Genauso bei den Körnern und Saaten (die noch geschlossenen Tüten mit Nüssen, Graupen etc. noch gar nicht mitgezählt …)


      Weil - da wäre ich vorher gar nicht drauf gekommen - auch Vollkorngetreide, und zwar jede Sorte extra, mitzählen … besteht kein Zweifel am lockeren erreichen des Challenge-Ziels, würde ich sie denn bestreiten wollen. Selbst an Haferkurtagen (momentan seit fünf oder sechs Wochen? einmal wöchentlich eingebaut) komme ich bereits mit selbst geflocktem Vollkornhafer und einer Tiefkühl-Beerenmischung incl. Sauerkirschen auf fünf Pflanzen am Tag und habe das Gefühl, nicht wirklich was zu essen 😆

      Ich verzichte auf Fotos meiner Getreide (die gab‘s früher schon irgendwo - momentan dürften es ca. 8 verschiedene Sorten in Bio(teils Demeter)-Qualität sein, die in einer neu erstandenen Luxus-Getreidemühle 😍 jeweils eigenhändig gemahlen werden), Gewürze, „seltsamen Inhalte meines Kühlschranks“ (womit der Zitierte insbesondere die Fermente ansprach) und Samensammlung, aus der hoffentlich bald schon wieder frische Petersilie, Koriandergrün, Kapuzinerkresse, Basilikum u. a. wachsen. Gemüse und Obst stammt zwar größtenteils aus Supermärkten und vom Wochenmarkt, das aber meistens in Bio-Varianten und mit Blick auch immer auf Inhaltsstoffe, Frische und große Vielfalt.

      Doch wie dem auch sei: das Buch ist angenehm zu lesen, lenkt den Fokus auch auf Spaß und Vergnügen beim Kochen und Essen, erläutert den Zusammenhang zwischen naturnaher, abwechslungsreicher Ernährung ohne Hang zu Predigten, Absolutheitsansprüchen oder Missionierversuchen. Auch wird ansonsten auf keine spezielle Ernährungsform abgezielt sondern die ganze Buntheit der Ernährungswelt einbezogen. Liebevoll und wiederum bunt ausgesuchte schöne Rezepte.


      🫚 🥦 🍠 🧄 🥑