Ben Shattuck, Eine Geschichte der Sehnsucht (eBook)
ISBN 9783446286504
Gebunden, 80 Seiten,
„Daher sollten wir unsere Träume nicht geringschätzen, nur weil sie auftreten, wenn wir schlafen, oder weil sie nicht der Logik unserer Wachzeiten gehorchen. Träume sind einfach eine andere Form des Denkens. Gerade ihre Wildheit verleiht ihnen das Potenzial, tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen“. — Jandial, Dr. Rahul. „Warum wir träumen.“ Rowohlt E-Book, p. 12
„Das Gehirn als Geschichtenerzähler“ - so sieht es auch der Neurochirurg Dr. Rahul Jandial in seinem fesselnden populärwissenschaftlichen Buch.
In keiner Weise esoterisch und noch weniger „übersinnlich abgedreht“ sondern auf sachlich-wissenschaftlichem Fundament wird hochspannend, menschlich und inhaltlich mitreißend neben wissenschaftlich fundierten Erklärungen zu Aufbau, Abläufen und Funktionsweisen des GehirnsAbläufe insbesondere im Schlaf und auch über Bedeutungen von Träumen in Bezug auf Lebensfragen philosophiert. Über die Untrennbarkeit von Körper und Geist zum Beispiel und die Sinnhaftigkeit auch vordergründig nutzlos erscheinender Trauminhalte. Und mehr.
In jedem Kapitel habe ich mich auf das nächste schon gefreut, bin mitgegangen, habe auf mich selber rückgekoppelt und - dazu am Ende dieser kleinen Vorstellung mehr - einen ersten erheiternden Selbstversuch gleich angeschlossen.
😴 💭
Kleiner thematisch passender Exkurs zum Selbstversuch - dazu zunächst eine Rückschau:
2021 war es, als ich durch eine nicht mehr konkret erinnerte Lektüre auf die Idee kam, das luzide Träumen zu versuchen bzw. einzuüben. Denn aufgrund meines üblicherweise sehr tiefen Schlafs erinnere ich mich nur sehr selten an Träume oder Traumfetzen. Dabei gab es in meinem Leben einige sehr intensive Klarträume, die für den eingeschlagenen Lebensweg umgehende Bedeutung bekamen weil ich sofort nach dem Aufwachen wusste, was zu tun ist. Einige Male mit wirklich nennenswerten Konsequenzen.
Im Laufe des Lebens wurden die Träume weniger turbulent, noch seltener als vorher bedrohlich, meistens eher schön und freundlich. Wirklich schlimme Alpträume blieben gänzlich aus. Wenn erinnert, dann tendenziell in Bilanz als schön und inspirierend.
Was also lag näher, als mich darin zu üben, mehr Träume zu erinnern. Absolvierte entsprechende Übungen vor dem Einschlafen und auch sonst tagsüber. Anleitungen dazu fanden sich leicht. Erste Erfolge stellten sich unerwartet schnell ein, ich führte ein Traumtagebuch, stellte dieses irgendwann zunächst ein, ließe es 2024 nochmal aufleben. Wieder kamen die Erfolge schnell aber irgendwann entschied ich, nicht weiterzugehen in Richtung „Traumbeeinflussung“. Fand es besser, dass sich das Hirn wenigstens im Schlaf unkontrolliert ausagieren durfte und ließ wieder alles laufen. Dadurch verebbte auch das Erinnern der Träume und wieder erinnerte ich mich nur sehr selten an kurze Sequenzen.
Gestern nun der Gedanke: „Aller guten Versuche sind drei“, absolvierte abends eine erste Meditation zum luziden Träumen, verinnerlichte die im Buch genannte Lehre: „Wenn du im Schlaf überprüfen möchtest, ob du träumst oder schläfst, solltest du über eine längere Zeit hinweg tagsüber, abends und als Vorsatz auch im Schlaf versuchen, etwas mit komplexer Struktur zu zählen. Weil das Gehirn sich im Aufbau solcher Bilder schwertut und Träume visuell sind. Beispiele waren: Finger zählen, die Uhrzeit überprüfen oder einen Text lesen wollen. Denn das funktioniert im Traum meistens nicht und manch ein luzider Träumer kann auf diesem Weg im Traum erkennen, dass er träumt. Braucht angeblich aber etwas Übung.
Vielleicht wirken die Übungen von vor Jahren noch. Denn dies war mein Traum, den ich in völliger Klarheit beim Aufwachen noch im Kopf und Gefühl hatte (auf den entscheidenden Part gekürzt):
Mit einer weiteren Person, die mir sehr vertraut war, von der ich aber nicht weiß, wer es konkret gewesen ist und nicht einmal, ob weiblich oder männlich, ging ich durch ein weites leeres Gebäude, das einer Shopping-Mall ähnelte. Es waren in Entfernung dunkle, seriöse, grau gekleidete Gestalten unterwegs aber wir versuchten, uns nicht bemerkbar zu machen. Wussten: das ist besser so. Bei allem, was passierte, warnte mich die Begleitperson (mein vorsichtigeres Ich - eine Art Schutzgestalt? Am wahrscheinlichsten aber mein waches ICH, das ich mitgenommen hatte in die Traumwelt) vor den möglichen Gefahren und drängte sanft, doch bitte vorsichtiger zu sein.
Wir kamen an eine hohe Glaswand, hinter der es dunkel war. Beim Näherkommen sahen wir darin aber einen Wald, in dem Rehe ästen. Wir gingen näher - ich wollte unbedingt mehr sehen. Wieder mahnte die Begleitung zur Vorsicht. Da kam ein Hirsch mit einem großen Geweih aus dem Unterholz. Das Geweih sah ungewöhnlich aus: wie aus einer Kinderzeichnung oder aus naiver Malerei.
Ich wies meine Begleitung auf dieses Phänomen hin, diese meinte aber, das sei sicher nur eine andere Art und ich solle doch bitte mitkommen. Ich blieb aber weiter stehen und wollte die Geweihenden zählen. War mir nicht sicher, ob es ein Sechzehnender oder doch nur ein Vierzehnender ist. Fand das komisch. Die Begleitung wurde sehr ungeduldig und bat eindringlich, weiterzugehen.
Mir war aber sehr, sehr dringlich bewusst, dass die Zahl der Geweih-Enden die Lösung eines Rätsels ist und ich verdammt nah dran bin.. Ich kam nur nicht drauf, welches Rätsel. Strengte mich ordentlich an … da senkte der Hirsch wie drohend das Geweih und kam langsam auf mich zu.
Angst hatte ich trotz der leicht bedrohlichen Situation immer noch keine. Wusste aber sofort, dass es besser ist zu gehen. Dachte: „Das ist die Welt der Tiere, hier habe ich eigentlich nichts zu suchen.“
Wachte auffällig gut gelaunt und energiegeladen auf. Hatte gleichzeitig das Gefühl, wunderbar geschlafen zu haben. Der Traum ließ nun wirklich keinen Raum für Interpretationen. Wenn ein Traum die Bezeichnung „Klartraum“ verdient, dann doch wohl dieser. Erzählte dem besten aller Ehemänner davon und sein Kommentar lautete trocken:
„Du wieder! Fünf Finger zählen reicht natürlich nicht. Bei dir muss es gleich ein Sechzehnender sein!“
🤭
Nachdem ich in den letzten Tagen gleich zwei Bücher irgendwo in der ersten Hälfte abgebrochen habe, habe ich mich entschlossen, sie zur besseren Merkbarkeit in einer Sammelliste, die dann jeweils von unten nach oben aktualisiert wird, zu notieren und dadurch hier auch samt Abbruchgrund vorzuzeigen. Sonst kann ich mir gerade diese AutorInnen gar nicht merken.
Auch hier gilt: vermutlich reine Geschmackssache. Ich würde nie behaupten, dass irgendwas schlecht geschrieben wäre an den Geschichten. Vielleicht taugte mir auch in erster Linie das Hörbuch-Format nicht. Jedenfalls stellte ich irgendwann fest, dass ich mich beim Zuhören über die Inhalte langweile, ich die Episoden völlig belanglos finde. Oder sogar in ihrer Denkrichtung bzw. den Handlungsmustern nervig.
Es sind Geschichten aus dem Leben der Autorin, in denen sich ein sehr unterschiedliches Denken, eine andere Herangehensweise etc. zeigt als ich sie selber habe oder in vergleichbaren Situationen haben würde. Was ansich auch interessant oder sogar das Interessante an Geschichten sein könnte: das Andere. In diesem Fall hat‘s mich aber nicht gepackt und ich so ca. nach dem ersten Drittel aufgehört.
Immerhin war ich neugierig genug, mich auf der Webseite der Onleihe einzuloggen (was ich so gut wie nie tue), nur um nachzusehen, auf wie vielen Bewertungen die dortige fünf-Sterne-Bewertung basiert. Was man in der App nicht nachschauen kann, auf der Webseite aber schon. Es war exakt eine Bewertung ;)
Das Thema der Sterbebegleitung bzw. Hospizbetreuung beschäftigt mich momentan ein wenig intensiver. Im Zuge dessen bin ich auf dieses Buch gestoßen. Es ist informativ, unterhaltsam und hat mich an einigen Stellen sehr berührt.
ISBN/GTIN 978-3-8312-0648-3
Buch - EinbandKartoniert, Paperback
VerlagKomplett Media
Erscheinungsdatum07.10.2025
Seitenzahl 208
Für mich wieder so ein Buch, bei dem ich länger den Beteiligten und Episoden hinterhergoogele als ich faktisch lese. Zum Beispiel um die Essenz der gerade noch nachprüfbaren Fakten (soweit es diese überhaupt je gibt) dem dazugeschriebenen Gemutmaßten gegenüberzustellen oder mir das zu jeder Episode auch anders Denkbare im Kopf selber zu gestalten. Sozusagen nochmal eine weitere Geschichte und Psychogramme dazuzuüberlegen.
Viele spannende „Kleinigkeiten“ dazuerfahren.
🏴☠️
Dass es sich bei diesem Thriller um den zweiten Teil einer Serie handelt, war mir beim Ausleihen nicht klar. Ist aber nicht schlimm denn er lässt sich auch ohne den ersten Teil zu kennen ohne Verlust lesen. Hier und da wird ein Kurzbezug auf den vorherigen Teil hergestellt, der für die Handlung dieses Krimis aber keine Bedeutung hat sondern lediglich die Beziehungen der Personen und einige von deren Hintergründen kurz rekapituliert.
Eindeutig einer der besseren Krimis. Spannend. Ziemlich verschachtelt; am Anfang musste ich immer mal wieder die handelnden Personen auf die Reihe bekommen bis sie halbwegs saßen. Manchmal muss man lesen und der Bezug wird erst später erklärt. Was aber aufgrund der gut aufgebauten Spannungsbögen mit auch wechselnden Perspektiven innerhalb der Kapitel kein Problem ist. Sprachlich nicht irgendwie überkandidelt sondern eher solide beherrscht in dramaturgischer und spielerischer Hinsicht. Die gelegentlichen Längen, die dem ineinander verwoben aufgebauten Handlungskomplex geschuldet waren, störten dadurch höchstens minimal.
🦌
„Klare Gedanken, klare Sätze. Ob einer schreiben kann, zeigt sich vor allem dann, wenn es um komplexe, abstrakte Dinge geht; ein Erdbeben oder einen Schiffsuntergang schildern kann schließlich jeder. „
.
„Ein Text ist ja immer beides, Form und Inhalt, Satzfolge und Satzmelodie - das, was er beschreibt und zugleich das, was er auslöst beim Leser.“
Sprache war und bleibt immer auch meine Lieblingsmusik. Wieder hinhören, sie anklingen und nachschwingen zu lassen, das Verweben von Lauten und Inhalten. Harmonie und Gleichklang, Dissonanz und Missklang erleben, genießen, sich daran reiben.
Hauke Goos mit seinem Buch hat die Lust darauf neu entfacht. Mich vom schnelllesigen Digital-Drübergehuschel zurückgebremst, Gehörgänge samt Hirnwindungen geputzt. So eine Art Hörgerät für abgestumpfte Lesenerven installiert. Seitdem tönen alte und neue Texte wieder viel deutlicher. Für‘s Lesen habe ich mir Zeit genommen, die Stellen aufgeteilt. Wenn viel um mich herum los war, damit pausiert und anderes eingeschoben.
Bei mir konkret haben gar nicht mal in erster Linie die im Buch vorgestellten Textausschnitte die Wirkung bestimmt. Manche davon fand ich super ausgesucht, mit anderen habe ich genauso gefremdelt wie mit der Deutung des Autoren. Mich hat es vielmehr bei manch anderen Texten animiert, genauer reinzuspüren, teilweise Altbeständen rauszukramen, dort alte und neue Perlen wahrzunehmen. Was für eine Bereicherung!
Komplexe Handlung auf beim eBook knapp 400 Seiten. Sauber konstruiert, klassische Krimi-Technik mit diversen Einbahnstraßen-Fehlspuren, möglichen Verdächtigen, wechselnden Spannungsbögen, Handlung-in-Handlung Strängen. Gibt‘s nix zu meckern. Mensch wird unterhalten und darf mit-mutmaßen.
Ab und zu kam ich bei den Frauenpersonen durcheinander. Wer war jetzt nochmal Deliah, Sue, Pamela, Anna …? Was mit großer Wahrscheinlichkeit auch den vielen Lese-Unterbrechungen und meiner manchmal huschigen Nebenbei-Lesetechnik geschuldet war. Denn die Charaktere sind insgesamt nicht übertrieben ausgemalt aber gut und sauber skizziert. Das Leitthema „Einsamkeit“ ebenfalls glaubwürdig und inhaltlich ansprechend in die Handlung verwoben.
🔪