Donnerstag, 24. September 2026

Daniel Schreiber, ALLEIN

Beeindruckendes Essay - tief berührend

Es fasst an, wie Daniel Schreiber das Thema Allein(samkeit) betrachtet: persönlich, offen, nah. Und doch mit kühler philosophisch-wissenschaftlicher Distanziertheit. Es regt beim Lesen an, selber in die Tiefe zu gehen und auch den eigenen schmerzlichen Facetten von Alleinsein, Einsamkeit, der Notwendigkeit, sich von Träumen und Illusionen zu verabschieden, nachzuspüren. 

Ist nicht einseitig wertend, leuchtet klar auf auch gegensätzliche Aspekte. Differenzierend und letztlich die existenzielle, von Beziehungsstati unabhängige Form des Alleinseins erkennend und … akzeptierend …? Lässt vor allem dem Leser die Freiheit seiner eigenen Deutung und Betrachtung der Themen.

Ich hatte unglaublich viele Stellen des mehr zufällig im Vorbeigehen ausgeliehenen Buchs mit Papierfetzchen markiert, um sie später hier zitieren zu können. Mich aber dagegen entschieden. Eine dieser Stellen liest in diesem kurzen Video der Autor selber:


Erscheinungsdatum: 27.09.2021
160 Seiten
Hanser Berlin
Hardcover
ISBN 978-3-446-26792-3
Deutschland: 20,00 €
Österreich: 20,60 €

Klappentext:

„Zu keiner Zeit haben so viele Menschen allein gelebt, und nie war elementarer zu spüren, wie brutal das selbstbestimmte Leben in Einsamkeit umschlagen kann. Aber kann man überhaupt glücklich sein allein? Und warum wird in einer Gesellschaft von Individualisten das Alleinleben als schambehaftetes Scheitern wahrgenommen?
Im Rückgriff auf eigene Erfahrungen, philosophische und soziologische Ideen ergründet Daniel Schreiber das Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch nach Rückzug und Freiheit und dem nach Nähe, Liebe und Gemeinschaft. Dabei leuchtet er aus, welche Rolle Freundschaften in diesem Lebensmodell spielen: Können sie eine Antwort auf den Sinnverlust in einer krisenhaften Welt sein? Ein zutiefst erhellendes Buch über die Frage, wie wir leben wollen.“



🏝️

Dienstag, 22. September 2026

Irene Solà, Singe ich, tanzen die Berge

Fand ich die Schreibweise anfangs noch ein bisschen „abgedreht“, skurril und vielleicht sogar etwas verwirrend, kam mit den Seiten der Flow. Es ist besonders  und kein Wunder, dass es Preise eingeheimst hat, das Buch der katalanischen Schriftstellerin Irene Solà. Und in viele Sprachen übersetzt wird. 

Klappentext:

„Gewitterwolken schürfen über den Rücken der Pyrenäen und ein Blitz erschlägt den dichtenden Bauern Domènec, dessen junge Frau Sió mit ihrem Schwiegervater und ihren Kindern allein zurückbleibt. Doch das Leben geht weiter. Teilnahmslos beobachten die Berge das Werden und Vergehen derer, die dort leben. Die junge katalanische Schriftstellerin Irene Solà, die für diesen Roman 2020 mit dem Europäischen Literaturpreis ausgezeichnet wurde, erschafft und belebt eine vielstimmige und poetische Welt, erzählt durch starke Frauen und mystische Stimmen von Großeltern, Eltern, Kindern, Tieren, Geistern, dem Wald und den Wolken. Sie alle bilden diese Geschichten, die auf eine schöne und magische, aber auch tragische Art und Weise miteinander verbunden sind. Alle vereint im Kreislauf von Geburt, Leben und Tod. Solà erzählt die Geschichte der Berge, die die Erinnerung an Jahrhunderte, an geologische Epochen, politische Konflikte und die Verbindung mit der Natur umfasst.“


Irene Solá – Singe ich, tanzen die Berge

Aus dem Katalanischen von Petra Zickmann

Trabanten Verlag März 2022, 208 Seiten


🦌

Dienstag, 15. September 2026

Martin Nusch, „Ganzzz und gaarr missraten“ Die besten O-Töne von Marcel Reich-Ranicki

Wozu soll ich das hören? Wozu soll ich ein solches Buch hören?

Ein Hörbuch, das mit seinen Tonausschnitten von Marcel Reich-Ranicki tatsächlich nur als solches Sinn macht. 

Eindeutig, um sich heftig zu amüsieren. Darum sollte man das schon hören.

Zumindest habe ich mich für meine Verhältnisse stark amüsiert in den 50 Minuten, die es nur dauert. Unterwegs beim Joggen mehrfach laut und herzlich gelacht und ganz sicher werde ich es nochmals hören bevor ich es zurückgebe bzw. die Onleihe abläuft.

Und in noch mehr Beispiele mit Auszügen von Reich Ranickis Sendungen bei Youtube reinschauen.

ISBN 978-3-7424-0067 (2017)


😆


📚

Samstag, 12. September 2026

Sylvia Plath, Die Glasglocke

  • Frauenrollen, Depression, Bipolarität, Psychiatrien in den 50er Jahren 

Dieser stark autobiographische und einzige Roman von Sylvia Plath avancierte später zu einem „Kultbuch der Frauenbewegung“. Ob er das auch ohne den kurz nach seiner Veröffentlichung erfolgten Selbstmord der Autorin geworden wäre? Schwer zu sagen …

Es ist ein harter Stoff. Wirklich nahe lässt Romanfigur ihre Leser nicht an sich heran und trotzdem fühlt es sich gespenstisch direkt und greifbar an, was sie erlebt. Irgendwie psychedelisch, verwirrend und duster. 

Titel der Originalausgabe:The Bell Jar© 1963 Sylvia Plath   

Die Neuübersetzung von Reinhard Kaiser erschien erstmals 1997 als Band 1221der Bibliothek Suhrkamp eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2013 

— Plath, Sylvia. „¬Die¬ Glasglocke.“ Suhrkamp Verlag, p. 5


„Vor 50 Jahren erschien die amerikanische Erstausgabe der »Glasglocke«, Sylvia Plath' einzigen Romans – vier Wochen später nahm sie sich das Leben. Ihr Roman avancierte bald zum Kultbuch, beschrieb es doch wie kein anderes zuvor die Stimmungslage junger Frauen, ihre Zerrissenheit angesichts gesellschaftlicher Anforderungen. »Es war ein verrückter, schwüler Sommer, dieser Sommer, in dem die Rosenbergs auf den elektrischen Stuhl kamen und ich nicht wußte, was ich in New York eigentlich wollte«: Die neunzehnjährige Esther gewinnt eine vierwöchige Hospitanz bei einem Modemagazin in New York, garniert mit Partyeinladungen und Werbegeschenken. Doch Esther, bisher strebsame Studentin, kann sich weder in den Arbeitsalltag so recht einfinden noch die Verlockungen der Stadt genießen. Ihre Verzweiflung nimmt zu, als sie in die heimische Enge zurückkehrt, wo sie weitere Rückschläge einstecken muß. Ihre zunehmenden Depressionen führen sie schließlich nach einem Suizidversuch in die Psychiatrie, und erst ganz allmählich findet Esther aus der »Glasglocke« heraus, in die sie sich ständig eingeschlossen fühlt.   Sylvia Plath wurde 1932 in Boston geboren. 1963 erschien ihr autobiographisch gefärbter einziger Roman Die Glasglocke, einen Monat darauf nahm sie sich das Leben. Durch ihre Gedichtbände Colossus und Ariel wurde sie zur internationalen Ikone amerikanischer Dichtung“.

 — Plath, Sylvia. „¬Die¬ Glasglocke.“ Suhrkamp Verlag, p. 2


🪩


Dienstag, 8. September 2026

Alex Capus, Das kleine Haus am Sonnenhang

Eine kleine Philosophie der Gelassenheit und des stillen Glücks

Eine angenehm zu hörende, vom Autor Alex Capus selbst gelesene Erzählung über die frühe Zeit seiner Schriftstellerei. Seine über Jahre regelmäßigen Aufenthalte im kleinen piemontesischen Steinhaus. Geschehnisse, Gedanken, Veränderungen.

Manchmal leicht dahinplätschernd an der Oberfläche, dann wieder auch tiefgängig. Mehr humorig als ernst, mehr Leichtigkeit als Schwere.

Gelegentlich stellte ich fest, dass ich gedanklich abgeschweift war, hörte Stellen ein zweites und hier und da sogar ein drittes Mal und entdeckte genau in diesen Fällen kleine und große Perlen, die ich möglicherweise im einfachen Fluss überhört hätte. Es brachte mir Freude. Und erinnerte in Stil und Ausrichtung ein wenig an „Ein Haus für viele Sommer“ von Axel Hacke.

KLAPPENTEXT:


Eine kleine Philosophie der Gelassenheit und des stillen Glücks: Alex Capus erzählt eine persönliche Geschichte über die Liebe zur Literatur und ein Leben im Einklang mit sich selbst. - Es sind die neunziger Jahre in Italien. In den Kneipen wird geraucht, an den Tankstellen wird man bedient. Alex Capus bezieht ein einsam stehendes Steinhaus am Sonnenhang eines Weinbergs. Dort verbringt er viel Zeit mit seiner Freundin und Freunden, dort sucht er die Einsamkeit, um an seinem ersten Roman zu schreiben. Wie findet man Zufriedenheit im Leben? Warum stets eine neue Pizza ausprobieren, wenn doch die gewohnte Pizza Fiorentina völlig in Ordnung ist? Warum Jagd nach immer noch schöneren Stränden machen, wenn schon der erste Strand gut ist?


Carl Hanser Verlag, München 2024
ISBN 9783446279414
Gebunden, 160 Seiten
Hörbuch: 3h 53min 
Leser: Alex Capus

🏡 ☀️ 


Dienstag, 1. September 2026

Ann Packer, Ein unerhörter Wunsch


Diese Buchempfehlung einer nicht zum ersten Mal für mich tolle Bücher empfehlenden Mitarbeiterin der Buchhandlung Lehmkuhl war es, die mich zur Ausleihe dieses sehr besonderen Romans bewogen hat. Er hält einiges an Zumutungen bereit. Für die Figuren im Buch aber auch für die Leser.  

Erscheinungsdatum: 21.07.2026
304 Seiten
Hanser Berlin
ISBN 978-3-446-28719-8

Über das Buch:

Dass dieser Moment kommen würde, wussten sie beide: Claires Erkrankung geht in die Phase der letzten Monate und Wochen. Fast vierzig Jahre lang haben sie eine gute Ehe geführt, zwei Kinder großgezogen und die Herausforderungen des Lebens gemeinsam bewältigt — die sprühende Claire und Eliot, stets etwas in ihrem Schatten, aber bedingungslos an ihrer Seite. Vielleicht waren sie sich nie so nah wie jetzt. Da konfrontiert ihn Claire mit einem Wunsch, der ihn komplett aus der Bahn wirft: Nicht ihn will sie um sich haben in der Zeit, die ihr bleibt, sondern ihre besten Freundinnen Holly und Michelle.Ein mit meisterhafter Leichtigkeit erzählter, einfühlsamer Roman über die wahren Zumutungen der Liebe, über Verletzung und Großherzigkeit und die Unberechenbarkeit der letzten Dinge.





 



Sonntag, 30. August 2026

Peter Wohlleben, Das geheime Leben der Bäume

Die Entdeckung einer verborgenen Welt

Erscheinungsdatum 13. Dezember 2015

Seitenanzahl 224

Hörbuch: 354min

ISBN 9783453604322


Das Buch von Förster (bzw. Dipl. Forstingenieur)  Peter Wohlleben wurde nicht nur ein Bestseller sondern löste zahlreiche Kontroversen und Anfeindungen gegen ihn aus.


Was ich erstaunlich finde: werden für die Kinderversionen seiner Bücher und Darstellungen menschliche Analogien und Metaphern verwendet, gilt es als anschaulich. Geht er in Erwachsenen-Versionen ebenso vor, wird ihm auf streckenweise recht aggressive Weile eine unzulässige „Vermenschlichung“ der Pflanzen- und Tierwelt vorgeworfen. Auch dort, wo die reinen Fakten von biologischen Abläufen und Zusammenhänngen - und das scheint mir durchgängig der Fall zu sein - absolut korrekt vorgestellt werden. 


Das auch in einer unterhaltsamen, neues Wissen geschickt und einprägsam vermittelnden Art und Weise . Mir hat‘s Spaß gemacht und Zugewinn gebracht.


Klappentext:


Ein neuer Blick auf alte Freunde


Erstaunliche Dinge geschehen im Wald: Bäume, die miteinander kommunizieren. Bäume, die ihren Nachwuchs, aber auch alte und kranke Nachbarn liebevoll umsorgen und pflegen. Bäume, die Empfindungen haben, Gefühle, ein Gedächtnis. Unglaublich? Aber wahr! – Der Förster Peter Wohlleben erzählt faszinierende Geschichten über die ungeahnten und höchst erstaunlichen Fähigkeiten der Bäume. Dazu zieht er die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse ebenso heran wie seine eigenen unmittelbaren Erfahrungen mit dem Wald und schafft so eine aufregend neue Begegnung für die Leser: Wir schließen Bekanntschaft mit einem Lebewesen, das uns vertraut schien, uns aber hier erstmals in seiner ganzen Lebendigkeit vor Augen tritt. Und wir betreten eine völlig neue Welt ...


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