Je länger ich nüchtern bin, desto weniger möchte ich zu einer exklusiven, schicken Elite von Lifestyle-Nüchternen gehören, die sich für was Besseres halten, weil man ihnen das Trinken noch nicht angesehen hat. Je länger ich nüchtern bin, desto mehr schätze ich es, Menschen zuzuhören, die weiter weg von meiner eigenen Lebensrealität sind. Verbindung herzustellen und Gemeinsamkeiten dort zu finden, wo es scheinbar nur Unterschiede gibt, ist eine ganz besonders heilsame Art von Meditation. Die Welt braucht nicht noch mehr separierte Lager. Sie braucht mehr Einigkeit, mehr Toleranz, mehr Zusammenhalt, mehr Liebe. — Gatow, Mia. „Rausch und Klarheit.“ Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, 2024-08-12T06:12:54Z, p. 197
Von Mia Gatow, September 2024 bei GOLDMANN,
304 Seiten ISBN: 978-3-442-31753-0
Ein rasant offenes Bekenntnis: der Sucht, der Liebes- und Lebenslust. Von Kontrollverlusten, Wiederermächtigungen, ekstatischen Erlebnissen bei Sex, Drogen aber auch und besonders der Nüchternheit.
Man verzeihe mir den platt-plumpen Kalauer: da rauscht man lesend nur so durch. Und entlarvt auch als nicht von Alkoholsucht Betroffene so manch eigenen Mechanismus des Selbstbetrugs; findet eigene Geschichten, die man sich selbst erzählen und selber glauben wollte. Parallelen und Ähnlichkeiten zum Rauchen und anderen selbstschädigenden Angewohnheiten (Süchten) lassen sich hier und da mühelos finden. Aber auch ohne Identifikationsmomente und für jemanden, der wie ich einen sehr unterschiedlichen Lebenshintergrund und Alltag mitbringt, ist das Lesen ein Zugewinn.


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