Montag, 27. April 2026

Mark Twain, Das Tagebuch von Adam und Eva

Erschienen am 06.03.2011
ISBN: 978-3-86647-599-1
Verlag: Anaconda
Seitenzahl: print 96, eBook 75

Fast wäre diese Neuauflage von Marc Twains Erzählung unter der Blogrubrik „abgebrochen“ gelandet. Zu sehr haben mich die extrem dick aufgetragenen Geschlechterklischees genervt. Und fast noch mehr die vielen zeitlichen und inhaltlichen Unlogiken. Die Erzählung strotzt nur so davon. Ich wähnte mich in einer Schenkelklopf-Büttenrede. 

Der erste Adam-Teil war an einigen Punkten noch so einigermaßen *nojo*. Den Eva-Part hätte eine humorvolle Frau möglicherweise besser gestaltet. 

Die Idee wiederum finde ich lustig. Hat ein bisschen was von „Caveman“ und „Cavewoman“.  Das dachte sich offenbar auch ein Filmemacher und bastelte 2023 nach der Vorlage von Marc Twains Erzählung eine gleichnamige Fantasy-Komödie  (ich kenne sie nicht).

Weil das eBook lediglich 75 Seiten zählt, las ich es doch flott zu Ende und nach einem Weilchen des Sacken Lassens  verzeihe ich die nervigen Parts aus Sentimentalität fast schon wieder. Es gab auch ein paar wirklich lustige und anrührende Stellen.


🍎🐍

Sonntag, 26. April 2026

Marc Raabe, Die Dämmerung

Verlag Ullstein
Seitenanzahl 512 Seiten
ISBN 9783548070490
Erscheinungstag 27.02.2025

Dass es sich bei diesem Thriller um den zweiten Teil einer Serie handelt, war mir beim Ausleihen nicht klar. Ist aber nicht schlimm denn er lässt sich auch ohne den ersten Teil zu kennen ohne Verlust lesen. Hier und da wird ein Kurzbezug auf den vorherigen Teil hergestellt, der für die Handlung dieses Krimis aber keine Bedeutung hat sondern lediglich die Beziehungen der Personen und einige von deren Hintergründen kurz rekapituliert.

Eindeutig einer der besseren Krimis. Spannend. Ziemlich verschachtelt; am Anfang musste ich immer mal wieder die handelnden Personen auf die Reihe bekommen bis sie halbwegs saßen. Manchmal muss man lesen und der Bezug wird erst später erklärt. Was aber aufgrund der gut aufgebauten Spannungsbögen mit auch wechselnden Perspektiven innerhalb der Kapitel kein Problem ist. Sprachlich nicht irgendwie überkandidelt sondern eher solide beherrscht in dramaturgischer und spielerischer Hinsicht. Die gelegentlichen Längen, die dem ineinander verwoben aufgebauten Handlungskomplex geschuldet waren, störten dadurch höchstens minimal.

🦌

Samstag, 18. April 2026

Hauke Goos, Die Magie der Deutschen Sprache

  • 50 literarische Glanzlichter von Kafka bis Loriot (Festeinband)

„Klare Gedanken, klare Sätze. Ob einer schreiben kann, zeigt sich vor allem dann, wenn es um komplexe, abstrakte Dinge geht; ein Erdbeben oder einen Schiffsuntergang schildern kann schließlich jeder. „

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„Ein Text ist ja immer beides, Form und Inhalt, Satzfolge und Satzmelodie - das, was er beschreibt und zugleich das, was er auslöst beim Leser.“


Sprache war und bleibt immer auch meine Lieblingsmusik. Wieder hinhören, sie anklingen und nachschwingen zu lassen, das Verweben von Lauten und Inhalten. Harmonie und Gleichklang, Dissonanz und Missklang erleben, genießen, sich daran reiben. 


Hauke Goos mit seinem Buch hat die Lust darauf neu entfacht. Mich vom schnelllesigen Digital-Drübergehuschel zurückgebremst, Gehörgänge samt Hirnwindungen geputzt. So eine Art Hörgerät für abgestumpfte Lesenerven installiert.  Seitdem tönen alte und neue Texte wieder viel deutlicher. Für‘s Lesen habe ich mir Zeit genommen, die Stellen aufgeteilt. Wenn viel um mich herum los war, damit pausiert und anderes eingeschoben. 


Bei mir konkret haben gar nicht mal in erster Linie die im Buch vorgestellten Textausschnitte die Wirkung bestimmt. Manche davon fand ich super ausgesucht, mit anderen habe ich genauso gefremdelt wie mit der Deutung des Autoren. Mich hat es vielmehr bei manch anderen Texten animiert, genauer reinzuspüren, teilweise Altbeständen rauszukramen, dort alte und neue Perlen wahrzunehmen. Was für eine Bereicherung!




🪩

Freitag, 10. April 2026

Charlotte Link, Einsame Nacht

ISBN: 978-3-442-37920-0
Blanvalet Verlag, München 2022

Komplexe Handlung auf beim eBook knapp 400  Seiten. Sauber konstruiert, klassische Krimi-Technik mit diversen Einbahnstraßen-Fehlspuren, möglichen Verdächtigen, wechselnden Spannungsbögen, Handlung-in-Handlung Strängen. Gibt‘s nix zu meckern. Mensch wird unterhalten und darf mit-mutmaßen. 

Ab und zu kam ich bei den Frauenpersonen durcheinander. Wer war jetzt nochmal Deliah, Sue, Pamela, Anna …? Was mit großer Wahrscheinlichkeit auch den vielen Lese-Unterbrechungen und meiner manchmal huschigen Nebenbei-Lesetechnik geschuldet war. Denn die Charaktere sind insgesamt nicht übertrieben ausgemalt aber gut und sauber skizziert. Das Leitthema „Einsamkeit“ ebenfalls glaubwürdig und inhaltlich ansprechend in die Handlung verwoben.



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Mittwoch, 1. April 2026

Susanne Abel, Stay away from Gretchen



Wenn ich über den Roman so schreiben wollen würde, dass meine „Einer- und Andererseitse“ halbwegs rüberkommen, würde es lang. Will ich aber nicht: lang drüber schreiben und verlinke schlicht eine der vielen anderen Rezensionen,  die es darüber schon gibt.
 
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Nachtrag: weil ich direkt im Vorwort eines neu zu lesen begonnenen und schon auf der ersten Seite viel versprechenden Buches (Beschreibung folgt natürlich, sobald fertig gelesen) folgende stimmige These finde:

„Stil ist nichts anderes als die Übereinstimmung von Inhalt und Form“

füge ich doch noch eine Anmerkung zum obigen Buch bei: an genau diesem Umstand, dass hier in meinen Augen Form und Inhalt streckenweise ziemlich auseinanderklaffen, habe ich mich beim Lesen bei gleichzeitigem Gefesseltsein vom und Begeisterug für‘s Buch immer mal wieder gerieben. 

Wenn auch möglicherweise der Zweck, nämlich eine schwierige und wichtige Thematik zu einer großen Leserschaft zu transportieren, das Mittel des - aus sprachlicher Warte betrachtet - Trivialromans heiligen mag, löst dieser Widerspruch von Inhalt und Form bei mir persönlich Widerstand aus. Weil - siehe Zitat - es gefühlt wenig vom Stil hat, den ich bei Sprache liebe. 


🗝️