Ich will nicht sagen, dass ich verstand, was sie sagte, denn das tat ich immer noch nicht. Eine fremdartige Sprache, in der jedes Wort verständlich schien, doch im Zusammenhang wusste man überhaupt nicht, wovon die Rede war. — Xue, Can. „Schattenvolk.“ Matthes & Seitz Berlin Verlag, 2024, p. 27
Dienstag, 27. Januar 2026
Can Xue: Schattenvolk
Freitag, 23. Januar 2026
Joël Broekaert: Die Weltgeschichte in zwölf Bohnen
Titel und Cover dieses auch inhaltlich ganz besonders entzückenden kleinen Buches haben mich sofort angesprungen. Und das nicht nur (aber auch ;) weil Hülsenfrüchte bei mir spätestens seit meiner Spanien-Vorliebe immer vielfältigeren Einzug in unsere heimische Küche gehalten haben.
„Dies ist ein Buch über Bohnen und Geschichte. Keine Geschichte der Bohne, sondern eine Weltgeschichte anhand von Bohnen. Und das ist gar nicht so weit hergeholt, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag.Essen ist eines der elementaren Bedürfnisse des Lebens. Sich mit Nahrung zu versorgen kann ein Grund dafür sein, umherzuziehen oder gerade die Entscheidung zu treffen, sich an einem Ort niederzulassen. Oder die Heimat ganz zu verlassen und auf neu entdeckten, unerforschten Kontinenten sein Heil zu suchen. Steht Ihre Lebensmittelversorgung oder die Ihrer Kinder infrage, ist dies ein Grund, sich zu streiten oder schlimmstenfalls Kriege zu führen.“ — Broekaert, Joël. „¬Die¬ Weltgeschichte in zwölf Bohnen.“ Diogenes Verlag AG, p. 4
„Von Lebensmitteln im Allgemeinen ist es nur noch ein kleiner Schritt zu Bohnen im Besonderen. Bohnen standen nie im Ruf, besonders sexy zu sein. Zu keiner Zeit. Ein bisschen natürlich, weil sie Blähungen verursachen (warum, können Sie in Kapitel 3 lesen). Vor allem aber, weil Bohnen seit Jahr und Tag als Armeleuteessen gelten. — Broekaert, Joël. „¬Die¬ Weltgeschichte in zwölf Bohnen.“ Diogenes Verlag AG, p. 5“
Jedes einzelne der Kapitel ein eigenes Highlight:
Dienstag, 20. Januar 2026
Kerri Andrews, Frauen, die wandern, sind nie allein
Auf dem Cover wird für ein „mitreißendes Portrait …“ geworben, wohingegen es mich persönlich eher weniger gerissen hat und ich das Tempo doch eher gemächlich bis sogar zäh fand. Jedenfalls, was das Lesen der meisten Wanderinnenportraits angeht.
Da wir beim Lesen viel über Martineaus Alltag als wandernde und intellektuelle Frau erfahren, entsteht eine große Nähe zur Autorin. Diese Nähe fördert sie, indem sie mit den Pronomen »wir«, »unser« und »uns« die Leserschaft in ihre Touren einbezieht. Wir lesen nicht nur einfach etwas über die Wanderungen dieser berühmten Schriftstellerin, sondern wir werden von ihr mitgenommen…: — Andrews, Kerri. „Frauen, die wandern, sind nie allein.“ Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, 2022, p. 122
Es werden Tagebücher und Passagen aus den literarischen Veröffentlichungen der zehn portraitierten Frauen durchgegangen - oft in für mich recht zähem Tempo. Praktische Aspekte des Wanderns und der Landschaft treten immer stärker in den Hintergrund. Man erfährt einiges über die Frauen - manches davon interessant - zu wenig für meinen Geschmack über die Wanderungen als solche. Wobei einige wirklich beeindruckende Beispiele vorhanden sind mit Distanzen, bei denen auch heutige Ultraläuferinnen noch staunen könnten.
Das „… sind nie allein“ im Titel ist nicht wörtlich sondern mehr im übertragenen Sinn zu verstehen, denn es wird gerade und besonders auf diejenigen Frauen fokussiert, die ohne Begleitung unterwegs sind. Wenn auch oft nicht ausschließlich.
Die auch plastischen Darstellungen der zeittypischen Vorurteile, Befürchtungen und Schwierigkeiten, denen insbesondere Frauen aufgrund ihrer Wanderlust unterworfen sind bzw damals noch stärker waren, werden klar und durchaus auch spannend herausgearbeitet.
Auch anderen Rezensenten erging es ähnlich wie mir: das tolle Cover samt interessantem Thema mit vielversprechenden Klappentexten und Rezensionsausschnitten ließen Erwartungen aufkommen, die nicht vollständig erfüllt wurden.
Viele als „typisch weiblich“ verortete „Selbstbetrachtungen“ und auch Besonderheiten in Wahrnehmung und Herangehensweise an Wanderungen werden herausgegriffen.
Es gab Stellen darin, die ich spannend fand und beeindruckend - insbesondere in den Zitaten. Außerdem hat mich das Buch neugierig werden lassen auf die schottischen Highlands und den WestCoastPath.
Donnerstag, 15. Januar 2026
D.H. Lawrence, Söhne und Liebhaber
- Oder: Muttersöhne und frühe Fehlprägungen (Hardcover)
Ein altes und immer auch aktuell bleibendes Thema: die Leid erzeugende weil zu starke und damit lebenserschwerende Mutterprägung oder kurz: die nur gerngfügig fiktionale Autobiographie eines „Muttersöhnchens“. Die häufig zur Fehlprägung der Söhne führenden elterlichen Ehe- und Familiendynamiken werden behandelt aber auch die daraus resultierenden Schwierigkeiten der Beziehungsversuche als Erwachsener durch zunächst Abspaltung und dann Auslagerung der Sexualität.Der nicht nur lange (incl. dem sehr interessanten Nachwort 761 Seiten) sondern streckenweise für heutige Leser langatmige Roman mit vielen auch anstrengenden Dialogen hat ordentlich Entschleunigungspotenzial 😎 Eine entsprechende Handlung und Thematik würde in aktuellen Büchern vermutlich auf max. einem Drittel der Seiten abgehandelt und naturbetrachtende Längen, seitenlange Dialoge und Beschreibungen von winzigen Nebenaspekten auf digital geprägte Aufmerksamkeitsspannen zurechtgekürzt.
Aber auch das hat mich gereizt: mich einzulassen. Die Ermüdungsphasen nicht durch Hoppen zu anderen Texten zu nutzen sondern für Denk- und Hintergründe-Leseeinheiten. Dazu, den Inhalten nachzurecherchieren. Mit vielen interessanten Erkenntnissen und Dazugewinnen über Leben und Hintergründe des auch lange im Münchner Raum gelebt habenden David Herbert Lawrence (nach dem Tod seiner Mutter ;).
Seinen nicht romangebundenen sondern anderweitig schriftlich verbürgten Einlassungen zum Roman „Sons and Lovers“ - der übrigens häufig zu den zehn bedeutendsten englischsprachigen Romanen des 20 Jahrhunderts gezählt wird.
Aus einer Notiz von D. H. Lawrence:
„Zwischen mir und meiner Mutter hat es eine Art Bindung gegeben. Wir haben einander geliebt, fast mit der Liebe von Mann und Frau, aber auch mit Sohnes- und Mutterliebe …. Es ist ziemlich schrecklich gewesen und hat mich in mancherlei Hinsicht abnormal gemacht.“










