- Oder: Muttersöhne und frühe Fehlprägungen (Hardcover)
Ein altes und immer auch aktuell bleibendes Thema: die Leid erzeugende weil zu starke und damit lebenserschwerende Mutterprägung oder kurz: die nur gerngfügig fiktionale Autobiographie eines „Muttersöhnchens“. Die häufig zur Fehlprägung der Söhne führenden elterlichen Ehe- und Familiendynamiken werden behandelt aber auch die daraus resultierenden Schwierigkeiten der Beziehungsversuche als Erwachsener durch zunächst Abspaltung und dann Auslagerung der Sexualität.Der nicht nur lange (incl. dem sehr interessanten Nachwort 761 Seiten) sondern streckenweise für heutige Leser langatmige Roman mit vielen auch anstrengenden Dialogen hat ordentlich Entschleunigungspotenzial 😎 Eine entsprechende Handlung und Thematik würde in aktuellen Büchern vermutlich auf max. einem Drittel der Seiten abgehandelt und naturbetrachtende Längen, seitenlange Dialoge und Beschreibungen von winzigen Nebenaspekten auf digital geprägte Aufmerksamkeitsspannen zurechtgekürzt.
Aber auch das hat mich gereizt: mich einzulassen. Die Ermüdungsphasen nicht durch Hoppen zu anderen Texten zu nutzen sondern für Denk- und Hintergründe-Leseeinheiten. Dazu, den Inhalten nachzurecherchieren. Mit vielen interessanten Erkenntnissen und Dazugewinnen über Leben und Hintergründe des auch lange im Münchner Raum gelebt habenden David Herbert Lawrence (nach dem Tod seiner Mutter ;).
Seinen nicht romangebundenen sondern anderweitig schriftlich verbürgten Einlassungen zum Roman „Sons and Lovers“ - der übrigens häufig zu den zehn bedeutendsten englischsprachigen Romanen des 20 Jahrhunderts gezählt wird.
Aus einer Notiz von D. H. Lawrence:
„Zwischen mir und meiner Mutter hat es eine Art Bindung gegeben. Wir haben einander geliebt, fast mit der Liebe von Mann und Frau, aber auch mit Sohnes- und Mutterliebe …. Es ist ziemlich schrecklich gewesen und hat mich in mancherlei Hinsicht abnormal gemacht.“



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