Sonntag, 10. Mai 2026

Dr. Rahul Jandial, Warum wir träumen

„Daher sollten wir unsere Träume nicht geringschätzen, nur weil sie auftreten, wenn wir schlafen, oder weil sie nicht der Logik unserer Wachzeiten gehorchen. Träume sind einfach eine andere Form des Denkens. Gerade ihre Wildheit verleiht ihnen das Potenzial, tiefgreifende Veränderungen herbeizuführen“. — Jandial, Dr. Rahul. „Warum wir träumen.“ Rowohlt E-Book, p. 12

„Das Gehirn als Geschichtenerzähler“ - so sieht es auch der Neurochirurg Dr. Rahul Jandial in seinem fesselnden populärwissenschaftlichen Buch. 

In keiner Weise esoterisch und noch weniger „übersinnlich abgedreht“ sondern auf sachlich-wissenschaftlichem Fundament wird hochspannend, menschlich und inhaltlich mitreißend neben wissenschaftlich fundierten Erklärungen zu Aufbau, Abläufen und Funktionsweisen des GehirnsAbläufe insbesondere im Schlaf und auch über Bedeutungen von Träumen in Bezug auf  Lebensfragen philosophiert. Über die Untrennbarkeit von Körper und Geist zum Beispiel und die Sinnhaftigkeit auch vordergründig nutzlos erscheinender Trauminhalte. Und  mehr.

In jedem Kapitel habe ich mich auf das nächste schon gefreut, bin mitgegangen, habe auf mich selber rückgekoppelt und - dazu am Ende dieser kleinen Vorstellung mehr - einen ersten erheiternden Selbstversuch gleich angeschlossen.


😴 💭 

Kleiner thematisch passender Exkurs zum Selbstversuch - dazu zunächst eine Rückschau:

2021 war es, als ich durch eine nicht mehr konkret erinnerte Lektüre auf die Idee kam, das luzide Träumen zu versuchen bzw. einzuüben. Denn aufgrund meines üblicherweise sehr tiefen Schlafs erinnere ich mich nur sehr selten an Träume oder Traumfetzen. Dabei gab es in meinem Leben einige sehr intensive Klarträume, die für den eingeschlagenen Lebensweg umgehende Bedeutung bekamen weil ich sofort nach dem Aufwachen wusste, was zu tun ist. Einige Male mit wirklich nennenswerten Konsequenzen.

Im Laufe des Lebens wurden die Träume weniger turbulent, noch seltener als vorher bedrohlich, meistens eher schön und freundlich. Wirklich schlimme Alpträume blieben gänzlich aus. Wenn erinnert, dann tendenziell in Bilanz als schön und inspirierend. 

Was also lag näher, als mich darin zu üben, mehr Träume zu erinnern. Absolvierte entsprechende Übungen  vor dem Einschlafen und auch sonst tagsüber. Anleitungen dazu fanden sich leicht. Erste Erfolge stellten sich unerwartet schnell ein, ich führte ein Traumtagebuch, stellte dieses irgendwann zunächst ein, ließe es 2024 nochmal aufleben. Wieder kamen die Erfolge schnell aber irgendwann entschied ich, nicht weiterzugehen in Richtung „Traumbeeinflussung“. Fand es besser, dass sich das Hirn wenigstens im Schlaf unkontrolliert ausagieren durfte und ließ wieder alles laufen. Dadurch verebbte auch das Erinnern der Träume und wieder erinnerte ich mich nur sehr selten an kurze Sequenzen.

Gestern nun der Gedanke: „Aller guten Versuche sind drei“, absolvierte abends eine erste Meditation zum luziden Träumen, verinnerlichte die im Buch genannte Lehre: „Wenn du im Schlaf überprüfen möchtest, ob du träumst oder schläfst, solltest du über eine längere Zeit hinweg tagsüber, abends und als Vorsatz auch im Schlaf versuchen, etwas mit komplexer Struktur zu zählen. Weil das Gehirn sich im Aufbau solcher Bilder schwertut und Träume visuell sind. Beispiele waren: Finger zählen, die Uhrzeit überprüfen oder einen Text lesen wollen. Denn das funktioniert im Traum meistens nicht und manch ein luzider Träumer kann auf diesem Weg im Traum erkennen, dass er träumt. Braucht angeblich aber etwas Übung.

Vielleicht wirken die Übungen von vor Jahren noch. Denn dies war mein Traum, den ich in völliger Klarheit beim Aufwachen noch im Kopf und Gefühl hatte (auf den entscheidenden Part gekürzt):

Mit einer weiteren Person, die mir sehr vertraut war, von der ich aber nicht weiß, wer es konkret gewesen ist und nicht einmal, ob weiblich oder männlich, ging ich durch ein weites leeres Gebäude, das einer Shopping-Mall ähnelte. Es waren in Entfernung dunkle, seriöse, grau gekleidete Gestalten unterwegs aber wir versuchten, uns nicht bemerkbar zu machen. Wussten: das ist besser so. Bei allem, was passierte, warnte mich die Begleitperson (mein vorsichtigeres Ich - eine Art Schutzgestalt?) vor den möglichen Gefahren und drängte sanft, doch bitte vorsichtiger zu sein. 

Wir kamen an eine hohe Glaswand, hinter der es dunkel war. Beim Näherkommen sahen wir darin aber einen Wald, in dem Rehe ästen. Wir gingen näher - ich wollte unbedingt mehr sehen. Wieder mahnte die Begleitung zur Vorsicht. Da kam ein Hirsch mit einem großen Geweih aus dem Unterholz. Das Geweih sah ungewöhnlich aus: wie aus einer Kinderzeichnung oder aus naiver Malerei. 

Ich wies meine Begleitung auf dieses Phänomen hin, diese meinte aber, das sei sicher nur eine andere Art und ich solle doch bitte mitkommen. Ich blieb aber weiter stehen und wollte die  Geweihenden zählen. War mir nicht sicher, ob es ein Sechzehnender oder doch nur ein Vierzehnender ist. Fand das komisch. Die Begleitung wurde sehr ungeduldig und bat dringlicher, weiterzugehen.

Mir war aber sehr, sehr dringlich bewusst, dass die Zahl der Geweih-Enden die Lösung eines Rätsels ist. Ich kam nur nicht drauf, welches. Strengte mich ordentlich an … da senkte der Hirsch wie drohend das Geweih und kam langsam auf mich zu.

Angst hatte ich trotz der leicht bedrohlichen Situation immer noch keine. Wusste aber sofort, dass es besser ist zu gehen. Dachte: „Das ist die Welt der Tiere, hier habe ich eigentlich nichts zu suchen.“

Wachte auf mit einer mordsmäßig guten Laune. Der Traum ließ nun wirklich keinen Raum für Interpretationen. Wenn ein Traum die Bezeichnung „Klartraum“ verdient, dann doch wohl dieser. Erzählte dem besten aller Ehemänner davon und sein Kommentar lautete nur trocken: 

_„Du wieder! Fünf Finger zählen reicht natürlich nicht. Bei dir muss es gleich ein Sechzehnender sein!“

🤭


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