Sonntag, 5. Juli 2026

Moa Herngren, Scheidung

 •  Moa Herngren, Scheidung 

Erster Teil einer Art „Beziehungstrilogie“ und in Schweden ein Bestseller der Autorin Moa Herngren. Warum auch immer.

Die schlichten Titel und natürlich die recht guten Rezensionen sprachen mich an aber nach 400 Seiten Klischeegeheule - im Wechsel zunächst von der verlassenen Klammerfrau, dann vom vor lauter Stress dauerschweigenden und wortlos zur nächsten Klischeefrau wechselnden KlischeeArzt geschildert - bin ich der Meinung: die hätten auch zusammenbleiben können. So vollkommen unreflektiert, wie von beiden Seiten sich selbst bemitleidet wird. Zumal der gefragte Arzt nahtlos weiterschweigend und Theater spielend zur nächsten Frau wechselt und genauso jämmerlich ins nächste Dackelverhältnis wechselt.

Mal abgesehen von auch zeitlichen Unlogiken (seit 32 Jahren verheiratet, 16jährige Zwillinge aber die Frau hat - weil sie sich nur um die Familie und die Kinder kümmern wollte - direkt das Studium abgebrochen und später einen eher caritativen Teilzeitjob angenommen. Da fehlen 16 plausible Jahre … nur so als Beispiel) mal abgesehen davon grenzte es für mich an Folter, diese gruseligen Charaktere zu ertragen. Oberflächliches Schmierentheatergequatsche ohne den Hauch von Nähe, Offenheit und Tiefgang. Selbstmitleid, Selbstbeweihräucherung und unausgesprochene Schuldzuweisungen an den Partner bei dauerdrückender Lebenslast. Ja heult doch weiter! Aber bitte leiser  … (ja, geklaut … ich weiß …)

Nebenbei bemerkt: die Zwillinge des Protagonistenpaares wurden vermutlich im Reagenzglas gezeugt denn die vierhundertseitige Schilderung einer dann zerbrechenden Ehe mit nahtlosem und sprachfreiem Wechsel des Gatten zur nächsten Frau kommt komplett alles ohne das Thema „Sexualität“  im weitesten Sinne aus und auch ohne die kleinste Andeutung von Berührungen und Körperlichkeit aus.. Also ich meine: zumindest ein Randthema hätte das bei einer über dreißigjährigen geschilderten Ehe doch mal sein dürfen wenn das Thema die Auflösung selbiger mit Blick ins innere ist  … 

Aber zig Seiten Küchengestaltung, vorwurfsvolles Geklammere und Gejammere auf der Einen und beruflicher Stress mit Weltretterverantwortung (da muss mensch doch Verständnis haben, oder?), Dackelgehorsam, verlogenes Schweigen und Flucht zur nächsten Frau auf der anderen Seite. Und selbst als der nahtlose Wechsel zu selbiger stattfindet, wird lediglich kurz angemerkt, wie primitiv die Menschen in der Umgebung doch urteilen, wenn sie denken, der Gatte wolle lediglich ins Bett der Neuen. Wo es doch um nichts geringeres geht als endlich wirklich verstanden und nicht mehr nur mit Vorhaltungen belästigt zu werden.

War es Masochismus, dass ich doch durchgehalten habe und mich durch filigrane Sektkelche, perfekt gestylte Küchenentwürfe, die eine Lebensaufgabe der Ehefrau darstellen und die Familie in den Ruin treiben, lästernde Pärchenpartys und aufgesetztes heile-Familie-Getue gekämpft habe?  Also: geschildert nicht als Enttarnung einer oberflächlichen Gesellschaft ohne Tiefgang sondern so ganz als „normales Leben“ gemeint.  Und solche oberflächlichen gegenseitigen Maskenspiele finden tatsächlich über Jahrzehnte real statt und nennen sich „gute Ehe“? Es wurde mir von einem realen Menschen bestätigt, dass eher „ja“.  Puh!

Ich habe durchgehalten und mit wachsendem Widerwillen gegen dieses ganze gruselige unreflektierte Konstrukt zu Ende gelesen - die beiden Folgeromane der Trilogie: „Schwiegermutter“ und „Geschwister“ aber danach von meiner Stadtbücherei-Merkliste (einer von mehreren) umgehend gelöscht. Ist ja schön, wenn diese Will-Lesen-Listen, wie Doris sie nennt,  auch mal ein bisschen zusammengeschrumpft werden anstatt sich in Rekordgeschwindigkeit immer weiter aufzublähen.

Klappentext:

Bea und Niklas sind seit über dreißig Jahren ein Paar. Mit zwei Töchtern im Teenageralter und einer komfortablen Wohnung mitten in Stockholm führen sie gutes Leben. Als Niklas eines Abends nach einem belanglosen Streit ohne Erklärung die Wohnung verlässt, ist Bea fassungslos. Sie erwartet, dass er reumütig nach Hause kommt, sobald er sich beruhigt hat. Aber die Stunden vergehen ohne Nachricht von Niklas. Stattdessen verhärten sich die Fronten, und die Lage spitzt sich zu: Bea muss nicht nur erfahren, dass Niklas eine andere Frau kennengelernt hat, er hat zudem keinerlei Interesse, über die plötzliche Krise zu sprechen, und fordert die Scheidung.
Doch kommt die Scheidung wirklich aus heiterem Himmel? Ist der Verlassende immer der Böse? Was kommt zum Vorschein, wenn man beginnt, an der Oberfläche zu kratzen?

💒


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen