Montag, 27. Juli 2026

Ralf Kramp, Gebrauchsanweisung für die Eifel

 

Ein „Reiseführer“ ganz ohne Bilder (außer dem auf dem Cover) aber mit umso mehr unterhaltsamen Informationen, Geschichte(n) und Geschichtchen, Anekdoten, Adressen und ganz eigenen Tipps zu allem möglichen. Schöner heiter-leichter Erzählstil. Geschrieben vom sonst Krimis schreibenden Ralf Kramp.

Ob Römer, Raser und Rocker auf dem Ring, Krimi- und sonstige Literaturfestivals, Geologie, Musik, Kulinarik, Grenz-, Kriegs- und Schmuggelgeschichten und viel viel mehr … es ist ein bunter mit liebenden Augen geschriebener Spaziergang durch die Eifel.

Mir völlig zufällig in der Münchner Onleihe unter „Neuzugänge“ über den Weg geflimmert, griff ich aus Gründen zu. Erstens habe ich in der Eifel familäre Verbindungen und war schon häufiger dort aber zweitens und momentan wichtigstens steht demnächst eine mehrtägige Wanderung dort an. Also griff ich zu. Fühlte mich bestens unterhalten und inspiriert und habe das Büchlein zeitgleich erworben und verschickt. 


🌳 🫧 🏰

Montag, 13. Juli 2026

Monika Feth, Der Libellenflüsterer

Das schreibt der PenguinVerlag dazu: 

Jettes Freundin Merle ist Tierschützerin mit Leib und Seele. Als sie für einen Artikel zum Thema Tierquälerei recherchiert, wird sie mit einem Fall aus ihrer Vergangenheit konfrontiert: Ein Hund, den sie einst vermittelt hatte, starb wenige Wochen später auf grausame Weise. Der neue Besitzer wurde angeklagt und aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nun kreuzen sich ihre Wege erneut und Merle kommt einem weit gefährlicheren Geheimnis auf die Spur…

Die fulminante Spiegel-Bestsellereihe von Monika Feth begeistert Millionen Leser:innen. Die Jette-Thriller sind nervenzermürbend, dramatisch und psychologisch brilliant erzählt. Atemberaubende Spannung der Extraklasse!


Taschenbuch, 528 Seiten,

Erschienen am 10.08.2015

ISBN: 978-3-570-30957-5


Auch auf  Krimi-Bewertungsportalen und bei Amazon sind die Bewertungen überwiegend positiv. Trotzdem kann ich mich dem nicht anschließen. Hier und da gibt es einigermaßen spannend konstruierte Abschnitte. Wenn aber auf den ersten hundert Seiten - und das ist der Fall - mehrere komplett voneinander getrennte Erzählstränge auch mit vielen Nebeninfos, die niemals wieder eine Rolle spielen, langatmig verfolgt und erst nach hundert Seiten irgendwie mühsam zusammengeführt - um nicht zu schreiben: mühsam zusammengeflickt - werden, dann ist das für mich in erster Linie zäh. 


Der Buchtitel recht nett … aber wo ist die Verbindung zum Text? Nicht vorhanden. Das Cover ist auch hübsch - ich glaube, es war der Grund für meine Ausleihe. Aber auch dazu: keinerlei Verbindung im Buch. Wurde da was vertauscht? 


Auch die Charaktere für mich nicht glaubwürdig sondern oft regelrecht widersprüchlich. Eben so, zwei Kapitel später total konträr. Für mich am nervigsten die endlosen Tiraden zu Tierschutzaktionen mit auch geschilderten Einzelfällen obwohl das Thema des Krimis (gibt‘s eins?) absolut nichts damit zu tun hat und auch die geschilderten Episoden absolut nullkommanull Rolle im Plot spielen.


Für mich kam beim Lesen das Gefühl auf, die Autorin hätte einfach mal alle Ideen, die sie für Bücher im Kopf hat - und da sind einige brauchbare dabei - in einen Topf geworfen, sich Szenen dazu ausgedacht und Personen (viel zu viele - man muss nicht nur viele Menschennamen, die keine Rolle spielen, unterbringen sondern auch noch uferlos viele Katzen- und Hundenamen, von denen einige tragende, andere überhaupt keine Rolle spielen … verwirrend) konstruiert, die jetzt mit aller Gewalt einen Platz im Buch finden sollten. Manche wurden wohl auch aus vorherigen Bänden der Reihe (die ich nicht gelesen habe) übernommen.Und nun irren sie rollenlos darin herum …


🙈

Sonntag, 5. Juli 2026

Moa Herngren, Scheidung

 •  Moa Herngren, Scheidung 

Erster Teil einer Art „Beziehungstrilogie“ und in Schweden ein Bestseller der Autorin Moa Herngren. Warum auch immer.

Die schlichten Titel und natürlich die recht guten Rezensionen sprachen mich an aber nach 400 Seiten Klischeegeheule - im Wechsel zunächst von der verlassenen Klammerfrau, dann vom vor lauter Stress dauerschweigenden und wortlos zur nächsten Klischeefrau wechselnden KlischeeArzt geschildert - bin ich der Meinung: die hätten auch zusammenbleiben können. So vollkommen unreflektiert, wie von beiden Seiten sich selbst bemitleidet wird. Zumal der gefragte Arzt nahtlos weiterschweigend und Theater spielend zur nächsten Frau wechselt und genauso jämmerlich ins nächste Dackelverhältnis wechselt.

Mal abgesehen von auch zeitlichen Unlogiken (seit 32 Jahren verheiratet, 16jährige Zwillinge aber die Frau hat - weil sie sich nur um die Familie und die Kinder kümmern wollte - direkt das Studium abgebrochen und später einen eher caritativen Teilzeitjob angenommen. Da fehlen 16 plausible Jahre … nur so als Beispiel) mal abgesehen davon grenzte es für mich an Folter, diese gruseligen Charaktere zu ertragen. Oberflächliches Schmierentheatergequatsche ohne den Hauch von Nähe, Offenheit und Tiefgang. Selbstmitleid, Selbstbeweihräucherung und unausgesprochene Schuldzuweisungen an den Partner bei dauerdrückender Lebenslast. Ja heult doch weiter! Aber bitte leiser  … (ja, geklaut … ich weiß …)

Nebenbei bemerkt: die Zwillinge des Protagonistenpaares wurden vermutlich im Reagenzglas gezeugt denn die vierhundertseitige Schilderung einer dann zerbrechenden Ehe mit nahtlosem und sprachfreiem Wechsel des Gatten zur nächsten Frau kommt komplett alles ohne das Thema „Sexualität“  im weitesten Sinne aus und auch ohne die kleinste Andeutung von Berührungen und Körperlichkeit aus.. Also ich meine: zumindest ein Randthema hätte das bei einer über dreißigjährigen geschilderten Ehe doch mal sein dürfen wenn das Thema die Auflösung selbiger mit Blick ins innere ist  … 

Aber zig Seiten Küchengestaltung, vorwurfsvolles Geklammere und Gejammere auf der Einen und beruflicher Stress mit Weltretterverantwortung (da muss mensch doch Verständnis haben, oder?), Dackelgehorsam, verlogenes Schweigen und Flucht zur nächsten Frau auf der anderen Seite. Und selbst als der nahtlose Wechsel zu selbiger stattfindet, wird lediglich kurz angemerkt, wie primitiv die Menschen in der Umgebung doch urteilen, wenn sie denken, der Gatte wolle lediglich ins Bett der Neuen. Wo es doch um nichts geringeres geht als endlich wirklich verstanden und nicht mehr nur mit Vorhaltungen belästigt zu werden.

War es Masochismus, dass ich doch durchgehalten habe und mich durch filigrane Sektkelche, perfekt gestylte Küchenentwürfe, die eine Lebensaufgabe der Ehefrau darstellen und die Familie in den Ruin treiben, lästernde Pärchenpartys und aufgesetztes heile-Familie-Getue gekämpft habe?  Also: geschildert nicht als Enttarnung einer oberflächlichen Gesellschaft ohne Tiefgang sondern so ganz als „normales Leben“ gemeint.  Und solche oberflächlichen gegenseitigen Maskenspiele finden tatsächlich über Jahrzehnte real statt und nennen sich „gute Ehe“? Es wurde mir von einem realen Menschen bestätigt, dass eher „ja“.  Puh!

Ich habe durchgehalten und mit wachsendem Widerwillen gegen dieses ganze gruselige unreflektierte Konstrukt zu Ende gelesen - die beiden Folgeromane der Trilogie: „Schwiegermutter“ und „Geschwister“ aber danach von meiner Stadtbücherei-Merkliste (einer von mehreren) umgehend gelöscht. Ist ja schön, wenn diese Will-Lesen-Listen, wie Doris sie nennt,  auch mal ein bisschen zusammengeschrumpft werden anstatt sich in Rekordgeschwindigkeit immer weiter aufzublähen.

Klappentext:

Bea und Niklas sind seit über dreißig Jahren ein Paar. Mit zwei Töchtern im Teenageralter und einer komfortablen Wohnung mitten in Stockholm führen sie gutes Leben. Als Niklas eines Abends nach einem belanglosen Streit ohne Erklärung die Wohnung verlässt, ist Bea fassungslos. Sie erwartet, dass er reumütig nach Hause kommt, sobald er sich beruhigt hat. Aber die Stunden vergehen ohne Nachricht von Niklas. Stattdessen verhärten sich die Fronten, und die Lage spitzt sich zu: Bea muss nicht nur erfahren, dass Niklas eine andere Frau kennengelernt hat, er hat zudem keinerlei Interesse, über die plötzliche Krise zu sprechen, und fordert die Scheidung.
Doch kommt die Scheidung wirklich aus heiterem Himmel? Ist der Verlassende immer der Böse? Was kommt zum Vorschein, wenn man beginnt, an der Oberfläche zu kratzen?

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Mittwoch, 1. Juli 2026

Hape Kerkeling, Gebt mir etwas Zeit

Piper Verlag, München 2024
ISBN 9783492058001
Gebunden, 368 Seiten
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KLAPPENTEXT


In seinem neuen Buch setzt Hape Kerkeling nicht nur entscheidende Etappen seines Lebens fort, sondern taucht tief in die bewegte Geschichte seiner Vorfahren ein. Berührend und mit unvergleichlichem Sinn für Komik erzählt er von seiner Kindheit in den Siebzigern und den Glanzzeiten der TV-Unterhaltung, von Liebe, Vorsehung und dem Goldenen Zeitalter der Niederlande. Er führt in die Anfänge seiner Fernsehkarriere und folgt den Spuren der Kerckrings zurück bis ins blühende Amsterdam des 17. Jahrhunderts. Verwebt dabei lustvoll Erinnerungen mit Recherchen, eigenes Erleben mit Historie und Ahnenforschung. Und kommt schließlich auch hinter ein unglaubliches Geheimnis, das seine geliebte Großmutter Bertha zeit ihres Lebens umgab.
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Schreiben und sein Publikum unterhalten hat er eindeutig drauf, der Herr Hape Kerkeling mit royalen Wurzeln. Wobei seine früheren Comedy-Figuren mich nicht oder nur selten sonderlich amüsieren konnten. Die Bücher aber durchaus und sein aktueller Kinofilm „Extrawurst“ tat es ebenfalls ganz hervorragend.

Dieses Buch „Gebt mir etwas Zeit“  - und darum soll es hier ja gehen - verfolgt in der Hauptsache zwei Stränge: die Phase Hape Kerkelings erster großen Liebe bis zum Tod des Partners durch AIDS und als zweiter Strang - oder eigentlich erster (meine persönlichen Präferenzen hätten die Reihenfolge umgekehrt eingeordnet) wird der durchaus verwickelte Stammbaum der Familie Kerkeling  weit zurückverfolgt auf eine unterhaltsame, geradezu kriminalistische Art, bei der biographische Fakten mit auch fiktiv verwobenen Erzählungsfragmenten (nicht, was die Biographie angeht sondern immer nur, wenn Personen in Szenen eingebaut sind) zu einem stimmigen Ganzen komponiert werden. Immer ist klar ersichtlich, wo den historischen Figuren fiktive Handlungsphantasien szenisch zugeschrieben werden.

Persönlich kamen mir einige der wappenlastig-adelsbetonten Genauigkeiten langatmig und überfliegbar vor; andere Leser sehen genau das möglicherweise auch anders und es schmälert das lustvolle Lesevergnügen nicht. 

Persönlich gefällt mir an Hape Kerkeling die emotionale Offenheit besonders gut. Trotz stark spürbarer Ehrlichkeit, Direktheit  und Öffnung schafft er es, sich auch bis zu einem gewissen Grad Distanz zu wahren. Ein gelungener Spagat, der sich nie aufgesetzt liest.

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