Dienstag, 27. Januar 2026

Can Xue: Schattenvolk


Beginnen möchte ich mit einem Zitat aus einem Deutschlandfunkpodcast zum Buch bzw. zur Autorin von Maximilian Mengeringhaus

„Bei der Autorin gibt‘s für mich sowas wie ´ne Distinktionsfalle; alle wollen das gut finden … das ist so‘n bisschen wie dieser Naturwein-Hype. Da sind alle auf einmal total begeistert davon, wenn ein Wein nach altem Schlauchboot und altem Räucherspeck riecht und nicht nach Pfirsich, Aprikose & Co. Das ist erstmal aufregend. Da muss man sich aber selber fragen: hat man da immer Bock drauf?“

Was mich angeht, beantworte ich das ganz klar mit: „Nö! Ich hab‘ da keinen Bock drauf!“ Der zitierte Kritiker hat aber durchaus auch viel positives über sie zu sagen (mehr als ich - also reinhören! (m)eine Stimme ist keine Stimme!

Warum also wollen Literatur-„Weisen“ das gut finden (obwohl mit Sicherheit die wenigsten der Kritiker alle Geschichten wirklich gelesen haben. Das merkt man den Kritiken an, wenn z. B.  behauptet wird, dass alle Geschichten von Tieren erzählt werden. Stimmt in den ersten vieren … dann nicht mehr … so wirkliche Begeisterung klingt auch meist anders - alle Kritiken lesen sich bemüht, verkrampft ….)?

Warum also? Weil die Schriftstellerin Can Xue als Nobelpreis-verdächtig gilt, nehme ich mal an.  Sollte der Preis irgendwann nach China gehen, dann vermutlich an sie, so die Prognose. Woher die kommt? Ich habe keinen Schimmer!

Da ich kein Problem damit habe, als komplette Banausin dazustehen, gestehe ich freimütig, mit diesen merkwürdigen Texten, die ich gar nicht „Geschichten“ nennen mag, wenig anfangen zu können. Es handelt sich für mich auch nicht um „Lesen“ im üblichen Sinn sondern um ein „durch die Augen ins Hirn ziehen bunt zusammenassoziierter Wort- und Satzbrocken bzw. aus Wörtern erstellter kubistischer bis abstrakter Bilder“. So irgendwie.

Ich zitiere mal aus dem oben schon verlinkten Wikipedia-Eintrag:

In Schattenvolk (2024) beschreibt Can Xue eine surrealistische Welt, in welcher die Grenzen zwischen Mensch und Tier verschwimmen und existenzielle Fragen in einem Slum von durchsichtigen Bewohnern und einem erzählenden Nagetier behandelt werden.[5] Die Geschichten umkreisen Themen wie Isolation, Armut und die Absurdität des Alltags, während die Autorin bewusst auf jegliche Stringenz in der Erzählweise verzichtet und stattdessen das Unbewusste und das Unheimliche in den Vordergrund rückt, wodurch eine verstörende Atmosphäre entsteht, in der das Wunderbare und das Groteske eng miteinander verbunden sind.

Ich würde es so formulieren: auch innerhalb der einzelnen Texte muss man ein bisschen nach Zusammenhängen suchen ohne Garantie, sie zu finden. Handlungen? Eher selten und höchstens einen Absatz lang, bei dem man sich freuen darf, dass er ab und zu mal  zusammenpassenden Anfang und Ende hat.  Auch nicht garantiert. Die Sprache? Seltsam - ob das aus der Übersetzung oder dem Originaltext resultiert, lässt sich angesichts der fehlenden Sinnzusammenhänge schwer beurteilen. Ist vermutlich auch wurscht. 

Es ist eher wie das Abspulen von wirren Alpträumen, bei denen Personen, Handlungen und Eindrücke permanent mäandern und irgendwie wabern. Tiere überall: (Krait)-Schlangen, Skorpione, Schildkröten, Braunbären, Blutegel, Krokodile, Eidechsen, Welse. Mäuse, Ratten,  Schweine … knabbern auch schon mal Menschen an, Teile der Füße oder ganze Finger ab … immer wieder quiekende Schweine. Aber auch Schlingpflanzen, die Wesen im Wasser magisch nach unten ziehen, schwebende, verschwindende, sich wandelnde Gegen- und Zustände …

Ich schließe die Buchbesprechung mit einem Zitat aus der ersten Geschichte ab:

Ich will nicht sagen, dass ich verstand, was sie sagte, denn das tat ich immer noch nicht. Eine fremdartige Sprache, in der jedes Wort verständlich schien, doch im Zusammenhang wusste man überhaupt nicht, wovon die Rede war. — Xue, Can. „Schattenvolk.“ Matthes & Seitz Berlin Verlag, 2024, p. 27


Wie kam ich drauf? Durch die Lücke, ach, diese entsetzliche Lücke … in meiner noch recht neu in Fleißarbeit ;) erstellten Autorenliste meiner bisher im Blog vorgestellten Bücher, die ich oben in den Tab-Reitern verlinkt habe. Beim Erstellen stellte ich fest, dass es Anfangsbuchstaben gibt, die darin noch nicht vertreten sind und suchte gezielt danach. Das X online zu finden, war gar nicht so leicht - aber immerhin habe ich eine in der elitären Literaturkennerwelt gehypte mögliche spätere Nobelpreisträgerin dabei ausgegraben 😆 

Wenn sie ihn wirklich gewinnt … war ich immerhin eine der frühen „Kennerinnen“ *harhar* - ging mir aber bei der koreanischen Nobelpreisträgerin Han Kang mit „Die Vegetarierin“ auch so: hatte ich schon vorher gelesen ohne auch nur den Nobelpreisverdacht zu ahnen. Als ich dann im Radio hörte, dass eine Koreanerin den bekommen hat, sagte ich spontan zum im Auto neben mir sitzenden  Gatten: „Waaahaa - das ist garantiert die mit diesen ziemlich kranken Phantasien, von der ich dir neulich erzählt habe!“ … was der nächste Radiomoderatorensatz bestätigte. Ist auch ziemlich skurril-abgedreht - aber nicht annähernd so wie „Das Schattenvolk“ von Can Xue.

Geständnis zum Schluss: die letzten Texte habe ich dann auch nur noch überflogen. So im drüberhuschen Bausteine aufgeschnappt und immer nur mal kurz wieder eingestippt … dachte mir: „Wenn die Autorin so zerrupft schreiben kann ohne Zusammenhänge, dann kann ich ihr Buch auch so lesen“ 




🐀 🐖 🐍

Freitag, 23. Januar 2026

Joël Broekaert: Die Weltgeschichte in zwölf Bohnen

Titel und Cover dieses auch inhaltlich ganz besonders entzückenden kleinen Buches haben mich sofort angesprungen. Und das nicht nur (aber auch ;) weil Hülsenfrüchte bei mir spätestens seit meiner Spanien-Vorliebe immer vielfältigeren Einzug in unsere heimische  Küche gehalten haben. 

Nicht einmal das Stichwort „Geschichte“ ließ mich zurückschrecken 😆

Der niederländische (Bestseller)Autor  Joel Brokaert  Restaurantkritiker und Historiker, schafft mühelos, was Jahre an Geschichtsunterricht bei mir selten vermochten: das Interesse für weltgeschichtliche Geschehnisse und Zusammenhänge zu wecken. 

„Dies ist ein Buch über Bohnen und Geschichte. Keine Geschichte der Bohne, sondern eine Weltgeschichte anhand von Bohnen. Und das ist gar nicht so weit hergeholt, wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag.Essen ist eines der elementaren Bedürfnisse des Lebens. Sich mit Nahrung zu versorgen kann ein Grund dafür sein, umherzuziehen oder gerade die Entscheidung zu treffen, sich an einem Ort niederzulassen. Oder die Heimat ganz zu verlassen und auf neu entdeckten, unerforschten Kontinenten sein Heil zu suchen. Steht Ihre Lebensmittelversorgung oder die Ihrer Kinder infrage, ist dies ein Grund, sich zu streiten oder schlimmstenfalls Kriege zu führen.“ — Broekaert, Joël. „¬Die¬ Weltgeschichte in zwölf Bohnen.“ Diogenes Verlag AG, p. 4


Er weckt das Interesse nicht nur sondern stillt es auch mit sprachlicher Leichtigkeit, die immer wieder den Bogen vom Kleinen zum Großen und von der Anekdote zum Grundsatz spannt. Fluffig, einprägsam mit viel Humor und wie mühelos zusammengefügtem reichem Hintergrundwissen auf auch ganz anderen Wissens- und Interessensgebieten. Die Freude des Autors an allen Themen scheint immer wieder durch.

„Von Lebensmitteln im Allgemeinen ist es nur noch ein kleiner Schritt zu Bohnen im Besonderen. Bohnen standen nie im Ruf, besonders sexy zu sein. Zu keiner Zeit. Ein bisschen natürlich, weil sie Blähungen verursachen (warum, können Sie in Kapitel 3 lesen). Vor allem aber, weil Bohnen seit Jahr und Tag als Armeleuteessen gelten. — Broekaert, Joël. „¬Die¬ Weltgeschichte in zwölf Bohnen.“ Diogenes Verlag AG, p. 5“


Warum eigentlich wird das Vermitteln von Geschichte nicht viel häufiger an  Kulinarik und Essensumfeld angebunden? So stelle ich mir guten Geschichtsunterricht vor! Verfliegende Zeit beim Lesen und das wiederkehrende Bedürfnis, die an vielen Stellen aufploppende Begeisterung gleich nach außen zu tragen und Passagen daraus vorzulesen.

Aufgrund ihrer Vielseitigkeit und unerschöpflichen Anpassungsfähigkeit ist sie in alle Winkel der Welt vorgedrungen und hat sich an jedes erdenkliche Klima angepasst. Dieser Vormarsch der gemeinen Bohne war unaufhaltsam und ging oft auf Kosten der einheimischen Arten.Die gemeine Bohne. So sehr unterscheidet sie sich nicht von uns Menschen. — Broekaert, Joël. „¬Die¬ Weltgeschichte in zwölf Bohnen.“ Diogenes Verlag AG, p. 43

Jedes einzelne der Kapitel ein eigenes Highlight:


Von daher bin ich sehr froh, der Aufforderung  „…give peas a chance“ Folge geleistet zu haben noch bevor ich sie im Buch auf Seite 82 las 🤓


🫛🫘


Dienstag, 20. Januar 2026

Kerri Andrews, Frauen, die wandern, sind nie allein

Auf dem Cover wird für ein „mitreißendes Portrait …“ geworben, wohingegen es mich persönlich eher weniger gerissen hat und ich das Tempo doch eher gemächlich bis sogar zäh fand. Jedenfalls, was das Lesen der meisten Wanderinnenportraits angeht.

Wird anfangs noch über den persönlichen Wanderlust-Aufhänger zu den wandernden portraitierten Frauen aufgebaut und auch der Reiz der durchwanderten Landschaften einerseits, die beachtlichen Leistungen andererseits in den Vordergrund gestellt, geht nach und nach immer stärker die Literaturwissenschaftlerin mit Kerri Andrews durch. Eine solche ist sie und somit mag es verständlich sein.

Erfüllt aber häufig in keiner Weise meine Erwartungshaltung wenn über längere Strecken statt das Wandern, die Text- und Stilmittelanalyse in den Vordergrund gestellt wird:

Da wir beim Lesen viel über Martineaus Alltag als wandernde und intellektuelle Frau erfahren, entsteht eine große Nähe zur Autorin. Diese Nähe fördert sie, indem sie mit den Pronomen »wir«, »unser« und »uns« die Leserschaft in ihre Touren einbezieht. Wir lesen nicht nur einfach etwas über die Wanderungen dieser berühmten Schriftstellerin, sondern wir werden von ihr mitgenommen…: — Andrews, Kerri. „Frauen, die wandern, sind nie allein.“ Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, 2022, p. 122


Es werden Tagebücher und Passagen aus den literarischen Veröffentlichungen der zehn portraitierten Frauen durchgegangen - oft in für mich recht zähem Tempo. Praktische Aspekte des Wanderns und der Landschaft treten immer stärker in den Hintergrund. Man erfährt einiges über die Frauen - manches davon interessant - zu wenig für meinen Geschmack über die Wanderungen als solche. Wobei einige wirklich beeindruckende Beispiele vorhanden sind mit Distanzen, bei denen auch heutige Ultraläuferinnen noch staunen könnten.  


Das „… sind nie allein“ im Titel ist nicht wörtlich sondern mehr im übertragenen Sinn zu verstehen, denn es wird gerade und besonders auf diejenigen Frauen fokussiert, die ohne Begleitung unterwegs sind. Wenn auch oft nicht ausschließlich.


Die auch plastischen Darstellungen der zeittypischen Vorurteile, Befürchtungen und Schwierigkeiten, denen insbesondere Frauen aufgrund ihrer Wanderlust unterworfen sind bzw damals noch stärker waren, werden klar und durchaus auch spannend herausgearbeitet.  


Gewandert wird nicht nur in der Natur; auch dem Flanieren und Durchstreifen von Städten ist einiges an Analyse und Vorstellung gewidmet.

Auch anderen Rezensenten erging es ähnlich wie mir: das tolle Cover samt interessantem Thema mit vielversprechenden Klappentexten und Rezensionsausschnitten ließen Erwartungen aufkommen, die nicht vollständig erfüllt wurden.

Viele als „typisch weiblich“ verortete  „Selbstbetrachtungen“ und auch Besonderheiten in Wahrnehmung und Herangehensweise an Wanderungen werden herausgegriffen.

Es gab Stellen darin, die ich spannend fand und beeindruckend - insbesondere in den Zitaten. Außerdem hat mich das Buch neugierig werden lassen auf die schottischen Highlands und den WestCoastPath.


🥾

Donnerstag, 15. Januar 2026

D.H. Lawrence, Söhne und Liebhaber

Ein altes und immer auch aktuell bleibendes Thema: die Leid erzeugende weil zu starke und damit lebenserschwerende Mutterprägung oder kurz: die nur gerngfügig fiktionale Autobiographie eines „Muttersöhnchens“.  Die häufig zur Fehlprägung der Söhne führenden elterlichen Ehe- und Familiendynamiken werden behandelt aber auch die daraus resultierenden Schwierigkeiten der Beziehungsversuche als Erwachsener durch zunächst Abspaltung und dann Auslagerung der Sexualität.

Besonders daran: es ist ein aus der Sicht eines betroffenen Sohns geschilderter Entwicklungs- und Familienroman, der zu seiner Zeit nur stark zensiert veröffentlicht wurde. Die von mir gelesene Ausgabe ist eine erstmals komplett unzensierte Übersetzung aus 2011.

Nebenaspekte: (Un)Gleichheit von Mann und Frau, feministische Bestrebungen im frühen 20Jh, Schichtenzugehörigkeiten und gesellschaftliche Ab- und Aufstiege, schichtenübergreifende Ehen.

Offen gesagt habe ich mich mehrere hundert Seiten lang gefragt, was konkret in diesem doch sehr langen Roman damals zensiert wurde. Für heute-Verhältnisse ist er eher zahm. Danach geforscht, erhielt ich die Auskunft, dass es nicht allein die streckenweise doch recht offen geschilderten Liebesszenen waren, die der Zensur anheimfielen sondern neben Ehebruchsthemen auch eben dieser unverhohlen erotische Unterton in der Mutter-Sohn-Beziehung.   Der - fand ich - besonders deutlich wurde als die Mutter nach ihrem Tod aufgebahrt im Zimmer lag und die gebannte Leserin im Ich-Erzähler quasi einen frühen wenn auch abgeschwächten „Norman Bates“ (Film: Psycho) zu beobachten meinte in seiner inneren Spaltung zwischen Sexualtrieb und Mutterliebe.

Wobei der Autor in seinen späteren Liebesbeziehungen mit den gewählten Partnerinnen zu einem pragmatischeren Umgang mit der Problematik findet:

 „Es war ein Knoten, den sie nicht lösen konnten. Deshalb ließen  sie ihn liegen und nahmen sich, was sie konnten. Was sie nicht erlangen konnten, ließen sie außer Acht.“ (S. 643)“

Der nicht nur lange (incl. dem sehr interessanten Nachwort 761 Seiten) sondern streckenweise für heutige Leser langatmige Roman mit vielen auch anstrengenden Dialogen hat ordentlich  Entschleunigungspotenzial 😎 Eine entsprechende Handlung und Thematik würde in aktuellen Büchern vermutlich auf max. einem Drittel der Seiten abgehandelt und naturbetrachtende Längen, seitenlange Dialoge und Beschreibungen von winzigen Nebenaspekten auf digital geprägte Aufmerksamkeitsspannen zurechtgekürzt. 

Aber auch das hat mich gereizt: mich einzulassen. Die Ermüdungsphasen nicht durch Hoppen zu anderen Texten zu nutzen sondern für Denk- und Hintergründe-Leseeinheiten. Dazu, den Inhalten nachzurecherchieren. Mit vielen interessanten Erkenntnissen und Dazugewinnen über Leben und Hintergründe des auch lange im Münchner Raum  gelebt habenden David Herbert Lawrence (nach dem Tod seiner Mutter ;). 

Seinen nicht romangebundenen sondern anderweitig schriftlich verbürgten Einlassungen zum Roman „Sons and Lovers“ - der übrigens häufig zu den zehn bedeutendsten englischsprachigen Romanen des 20 Jahrhunderts gezählt wird.

Aus einer Notiz von D. H. Lawrence: 

„Zwischen mir und meiner Mutter hat es eine Art Bindung gegeben. Wir haben einander geliebt, fast mit der Liebe von Mann und Frau, aber auch mit Sohnes- und Mutterliebe …. Es ist ziemlich schrecklich gewesen und hat mich in mancherlei Hinsicht abnormal gemacht.“


Wie kommt frau noch heute auf diesen Roman? Durch seine Erwähnung in einem Wissenschaftsmagazin, das sich dieser nahezu zeitlosen Thematik in einem Beitrag widmete. Leider weiß ich nicht mehr, ob es „Gehirn und Geist“, „Spektrum Psychologie“ oder „Psychologie heute“ war (in allen dreien stöbere ich gerne per digitaler Ausleihe gelegentlich etwas herum).
🤰

Sonntag, 28. Dezember 2025

Joachim Meyerhoff, „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“

Äußerst unterhaltsam schreibt Joachim Meyerhoff, gar keine Frage! 

Und das auch über für mich persönlich eher als uninteressant abgespeicherte Lebenswelten und Themenbereiche  mit gespreizt sprechenden Familienangehörigen aus großbürgerlichem Milieu, exaltierten Schauspiellehrern und einer alles andere als alltagsnahen Theater- und Filmwelt.

Diese in vielen Bereichen selbstironisch-autofiktionalen Erzählungen standen - was ich zu der Zeit gar nicht mitbekommen hatte - lange auf Bestsellerlisten und wurden entsprechend häufig rezensiert

Daher beschränke ich mich auf die Feststellung: ich habe viel gelacht und werde irgendwann - mit Pause dazwischen - vermutlich nochmals bei der sechsbändigen Buchreihe zugreifen.

Dass der Titel ein Zitat aus Goethes „Werther“ ist, hatte ich nicht auf dem Schirm. Aber gefällt mir. 


🥃


Mittwoch, 24. Dezember 2025

Stefan Zweig, In der Mondscheingasse


Das Hörbuch nur eine knappe Vorlesestunde kurz eignete sich perfekt für eine längere Fahrt mit dem Bus.

Außerdem lässt sich auf diesem Weg ein bisschen was für das literarische Hintergrundwissen tun denn von Stefan Zweig hatte ich zwar gehört aber noch nie etwas gelesen oder mir vorlesen lassen.

Was kam bei mir neben der Atmosphären- und Charakterschilderung zweier entzweiter Menschen - einem ehemaligen Ehepaar - rüber? 
-> 
Dass Geiz zu Recht eine „Todsünde“ ist und sehr stark auseinanderklaffende Einstellungen zum Thema „Geld“ in Ehen bei aller Liebe und Leidenschaft zerstörerisch wirken. Um‘s mal auf‘s profane runterzubrechen ;-)

»Er war in seiner Zeit weltweit einer der berühmtesten und populärsten deutschsprachigen Schriftsteller. Seine unter dem Einfluß Sigmund Freuds entstandenen Novellen zeichnen sich durch geschickte Milieuschilderungen und einfühlsame psychologische Porträts aus, in denen die dezente, doch unmißverständliche Darstellung sexueller Motive auffällt. Seine romanhaften Biographien akzentuieren die menschlichen Schwächen der großen historischen Persönlichkeiten.«
Marcel Reich-Ranicki

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Montag, 22. Dezember 2025

Jaroslav Rudis, Weihnachten in Prag


Eine sehr kurze illustrierte, ziemlich skurrile Weihnachts- oder auch Bierkneipenspaziergang-am-Heiligabend-Geschichte.

Erstaunlich, dass sie so viele Rezensionen bekommen hat. Vermutlich ist Weihnachten schlicht ein dankbares Kurzgeschichtenthema und Rezensenten froh, wenn es auch mal etwas weniger verstaubt erzählt wird.

Auch als nicht-Biertrinkerin habe ich beim Lesen Lust bekommen, nach einigen Jahrzehnten ein zweites Mal nach Prag zu fahren. Am besten, wenn Schnee liegt. Dort die Kirche Maria Schnee zu besuchen und natürlich die Gaststätte „zum ausgeschossenen Auge“.

„Doch, in Prag passieren solche Dinge, hat schon meine Oma gesagt. Und heute ist auch noch Weihnachten.« Und dann wird auf Weihnachten angestoßen und auf den Karpfen in der Badewanne und auf die Kinder und auf die Enkelkinder und auf das Wohl und auf Sparta Prag und auf Slavia Prag und auf Bohemians Prag und auf die Liebe und auf das Glück und darauf, dass man sich in einem Jahr wieder an diesem Tisch in diesem Lokal trifft und nicht auf einem Friedhof, und wenn doch auf einem Friedhof, dann zumindest auf einem, wo es gut gezapftes Bier gibt, so wie hier.“ — Rudiš, Jaroslav. „Weihnachten in Prag.“ Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, 2023-08-16T08:04:30Z, p. 10



🍻


Sonntag, 21. Dezember 2025

Stefan Slupetzky, Nichts wie weg


Stefan Slupetzky, vielseitiger österreichischer Künstler (Autor, Musiker, Illustrator) war mir vor diesem Buch gänzlich unbekannt. 
Gut, dass sich das nun geändert hat denn dieses poetische moderne Liebesgeschichten-Märchen - geschrieben in spielerisch leichter aber emotional tiefgängiger herzerwärmender Sprache - macht bei aller Melancholie viel Spaß und unterhält wunderbar.

Irgendwo war es mir als „Lesetipp“ über den Weg geflimmert und weil in keiner von mir frequentierten Leihe vorrätig, habe ich mir diese dazu passende Lektüre für‘s Wohnmobil und damit für unterwegs als Festeinband gekauft. 

Es hat sich gelohnt! Wäre auch ein hübsches Geschenk. 🎁 





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Mittwoch, 17. Dezember 2025

Eva Baltasar, Mammut

Ein seltsames Büchlein: sehr kurz, bizarr, wechselhaft. Sprachlich eine Wucht. Inhaltlich eher ein wenig verstörend. Stand auf der Shortlist  des internationalen Buchpreises 2022.

Wobei es bei mir wechselte: inhaltlich am Anfang abstoßend aber gleichzeitig in den Lesesog saugend. Zwischenzeitlich auch inhaltlich regelrecht mitreißend, Sehnsüchte triggernd. Wieder abstoßend.  Beklemmend. Poetisch, pendelnd zwischen Beobachtungs- und Innenleben-Standort.

Es gehört zu einer Trilogie, die drei Frauenleben bzw. einen Ausschnitt daraus schildert. Gerne würde ich die anderen beiden auch noch lesen. Aber nur dieses gibt es (bisher) in deutscher Übersetzung (was ich mir gar nicht so leicht vorstelle). Originalsprache ist Katalanisch und fällt für mich raus. Ob ich mich an den Spanischen Versionen der anderen beiden versuche?





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Dienstag, 16. Dezember 2025

Fatma Aydemir, Dschinns

Es ist ein emotionsgewaltiges Buch. 

Themen: Suche nach Zugehörigkeit und Identität. Familie aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und geschildert. Allen gemeinsam: das Leid am Schweigen. 
Rollen im Leben, Rollen in der Familie, in den widersprüchlichen Gesellschaften. Einsamkeit. Verletzungen. Sprachlosigkeit. Schuld.

Viel steckt drin im Roman - angesiedelt Ende der Neunziger Jahre mit einigen Jahrzehnten an Rückblicken - um eine türkische bzw. kurdische Familie, die in unterschiedlichen Etappen als Gastarbeiter(angehörige) nach Deutschland migrierten.

Größtenteils glaubwürdig geschilderte Charaktere, größtenteils gut und spannend zu lesende Episoden.



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