Erscheinungsdatum: 28.03.2025 Eichborn Verlag
Aus dem Spanischen von Christiane Quandt.
ISBN: 978-3-8479-0212-6 - 240 Seiten
„Büro spielen ist easy, wenn man weiß, wie. Arbeit ist einfach nur eine Rolle, die man spielen muss. Ich beherrsche diese Rolle perfekt: Ich kenne die witzigen Geschichtchen, die immer funktionieren, um das Eis zu brechen. Ich weiß, was ich fragen muss, um aufmerksam und interessiert zu wirken. Und ich weiß, was ich sagen muss, damit die Zeit schneller vergeht, ohne dass irgendjemand bis sechs Uhr abends tatsächlich irgendwas Sinnvolles tut. — Serrano, Beatriz. „Geht so.“ Eichborn, 2025-02-11, p. 14
Gibt es Bürojobs, in denen man dieses „Bullshit-Dasein“ nicht zumindest streckenweise am eigenen Leib erfahren muss? Ich jedenfalls wusste fast durchgängig recht gut, wovon die Rede ist in Beatriz Serranos bissig-zynisch-verzweifeltem Roman über die (nicht durchgängig funktionierenden) Überlebensstrategien vor allem im unteren bis mittleren Management einer Illusionen verkaufenden Firma im digitalen Zeitalter. Wobei die Business-Inhalte sicherlich austauschbar sind.
Wie gut dass ich - zumindest bilde ich mir das ein - schonendere Lösungsstrategien entwickelt habe im Laufe des Berufsdaseins. Bin glücklicherweise immerhin noch lebendig, im Besitz sämtlicher Finger und beinahe schon durch ✌️
„Als Ramón, mein Chef, mich fragt, woran ich gerade arbeite, bin ich eigentlich viel zu erschöpft zum Antworten, aber ich gebe mir einen Ruck. Ich spiele die Rolle, bete meine aktuellen Aufgaben runter, tue so, als hätte ich viel mehr Arbeit, als ich tatsächlich habe, wie wir es alle tun. So versuche ich zu verhindern, dass mir jemand eine Aufgabe aufhalst, die mich wiederum daran hindern könnte, im Büro meine YouTube-Videos zu schauen. Mein Vorgesetzter scheint zufrieden. Ein weiterer Tag, an dem ich das System verarsche. Das Bürospiel besteht eigentlich nur daraus, sich richtig ausdrücken zu können, wenn man dran ist. Man muss im richtigen Moment »eine Excel-Tabelle erstellen« oder »eine Präsentation vorbereiten«, als wäre das vergleichbar mit einer Operation am offenen Herzen. Oder man schmückt eine Erklärung mit derart vielen langweiligen Details aus, dass alle den Faden verlieren und am Ende niemand weiter nachfragt“ — Serrano, Beatriz. „Geht so.“ Eichborn, 2025-02-11, p. 50


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