»Die Königin von Meiderich«, rief er gespreizt. »Darf ich Euer Durchlaucht eine Fanta anbieten?« Ich nickte huldvoll, und er brachte mir eine Dose Limonade. Dann setzten wir uns vor die Werkstatt und schwiegen. Das gemeinsame Schweigen als Kulturtechnik des sozialen Austauschs schien hier in der Gegend sehr verbreitet zu sein. Ich kannte das nicht. In meiner Welt wurde immer geredet, geplappert, getratscht, gemeckert oder geschrien. Wenn niemand etwas sagte, verunsicherte mich das mehr, als wenn ich nicht verstand, was geredet wurde. Dann war immerhin Ton. Aber nun stellte ich erstaunt fest, dass ich es genoss, neben Lütz auf einer alten Gartenbank zu sitzen, die kalte Fanta zu schlürfen und wie er schweigend in Richtung Lagerhalle zu blicken. Und ich verstand, dass das Schweigen nicht davon kam, dass man nicht wusste, was man sagen sollte, sondern daher, dass es einfach nichts zu sagen gab. Völlige Übereinkunft. Man sitzt da und trinkt was. Worüber soll man da noch sprechen? — Weiler, Jan. „¬Der¬ Markisenmann.“ Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, 2022-02-28T10:07:52Z, p. 55
Donnerstag, 28. August 2025
Jan Weiler, Der Markisenmann
Ein melancholisch machender aber trotzdem immer wieder heiterer Roman. Über Familie, blinde Flecken, menschliche Beziehungen und Unterschiede, Erwachsenwerden, Schuld und deren Sühne …
Von Jan Weiler habe ich vergangenes Jahr “Munk” gelesen und war davon sehr angetan (und das nicht nur, weil “Das kalte Herz” schon immer eins meiner Lieblingsmärchen war und ist ;), so dass der Markisenmann auch irgendwann auf meiner Liste landete.
Es fiel mir schwer, zwischendurch Lesepausen zu machen. Ein schöner Roman.
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