Montag, 10. August 2026

Ralf Westhoff, Niemals Nichts

  • Ralf Westhoff; Niemals Nichts

KLAPPENTEXT:


„Anfang des 19. Jahrhunderts, zwei Höfe im Nirgendwo. Lisa und Maximilian heiraten, sie kennen sich von Kindheit an, und Lisa ist die Einzige, die Maximilian mit seinem Sprachfehler versteht. Es ist eine Zweckehe aus der Not. Denn Bauer Andres ist verschwunden, er, der Träumer, hat den Hof für eine Schiffspassage in die Neue Welt beliehen und Maximilian, seinem Sohn, riesige Schulden hinterlassen. Das junge Paar könnte alles verlieren. Doch in Lisa erwacht der Kampfgeist. Ganz allein fährt sie in die Stadt, und bald kommt sie der jahrelangen Übervorteilung durch die Kornhändler auf die Spur. Die beiden erkennen, dass sie alles hinterfragen, neu wirtschaften lernen müssen, um den Hof zu retten. Während sie ihr Schicksal in die Hand nehmen, wächst auch ihre Liebe. Unterdessen setzt Andres seine abenteuerliche Reise in Richtung Amerika fort, schlägt sich durch fremde Gegenden, bis ihm klar wird, was er angerichtet hat.“


Poetisch erzählt. Schlicht und berührend. Figuren, die den Leser nah an sich heranlassen auch und gerade dann, wenn sie sich streckenweise fremd anfühlen. Ein schönes Buch, das mir Freude, Unterhaltung und auch an einigen Stellen inhaltlich Wissenszuwachs gegeben hat.


Ralf Westhoff


Ralf Westhoff, geboren 1969 in München, ist Regisseur und Drehbuchautor. Seine Filme "Shoppen " und "Wir sind die Neuen" waren große Kinoerfolge. Westhoff wurde für seine Drehbücher unter anderem mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet und war mehrfach für den Deutschen Filmpreis nominiert. "Niemals nichts" ist sein erster Roman.


Rowohlt Berlin Verlag, 

Berlin 2025

ISBN 9783737102131

Gebunden, 224 Seiten


🫓 🌾 🧑‍🌾

Samstag, 8. August 2026

Thomas Melle, Die Welt im Rücken



Die Welt im Rücken

Klappentext:


«Wenn Sie bipolar sind, hat Ihr Leben keine Kontinuität mehr. Die Krankheit hat Ihre Vergangenheit zerschossen, und in noch stärkerem Maße bedroht sie Ihre Zukunft. Mit jeder manischen Episode wird Ihr Leben, wie Sie es kannten, weiter verunmöglicht. Die Person, die Sie zu sein und kennen glaubten, besitzt kein festes Fundament mehr. Sie können sich Ihrer selbst nicht mehr sicher sein. Und Sie wissen nicht mehr, wer Sie waren. Was sonst vielleicht als Gedanke kurz aufleuchtet, um sofort verworfen zu werden, wird im manischen Kurzschluss zur Tat. Jeder Mensch birgt wohl einen Abgrund in sich, in welchen er bisweilen einen Blick gewährt; eine Manie aber ist eine ganze Tour durch diesen Abgrund, und was Sie jahrelang von sich wussten, wird innerhalb kürzester Zeit ungültig. Sie fangen nicht bei null an, nein, Sie rutschen ins Minus, und nichts mehr ist mit Ihnen auf verlässliche Weise verbunden.»
Thomas Melle leidet seit vielen Jahren an der manisch-depressiven Erkrankung, auch bipolare Störung genannt. Er erzählt schonungslos und sprachlich brillant von seinem Umgang mit der Krankheit, von persönlichen Dramen und langsamer Besserung – und gibt so einen außergewöhnlichen Einblick in das, was in einem Erkrankten vorgeht. Die fesselnde Chronik eines zerrissenen Lebens, ein autobiografisch radikales Werk von höchster literarischer Kraft. 
Das Buch stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2016 und hat Presse und Leser gleichermaßen begeistert

Wladimir Kaminer, Mahlzeit!

„Kaum jemand ist so neugierig auf seine Nachbarn wie Wladimir Kaminer. Egal ob es um einzelne Menschen oder ganze Länder geht. Und wie könnte man einander besser kennenlernen als beim gemeinsamen Essen? Ist man zu Gast an fremden Tischen, verleibt man sich nicht nur die Kultur der anderen ein, man erfährt auch deren Träume, Wünsche, Sorgen und Hoffnungen. Auf seinen Reisen durch Europa nascht Wladimir Kaminer von den Tellern Portugals ebenso wie aus den Honigtöpfchen Bulgariens, er trinkt den Wein der Republik Moldau und tunkt den Löffel in die Töpfe Serbiens. Vor allem aber kommt er mit den Menschen ins Gespräch und taucht tief in deren Geschichte und Geschichten ein. Seine Streifzüge zeigen ein Europa, das so vielfältig, bunt und überraschend ist wie seine Speisen.“

»Der fabelhafte Schriftsteller Wladimir Kaminer ist das, was manche vermeintliche und selbst ernannte Brückenbauer gerne wären, ein echter Brückenbauer nämlich.« Süddeutsche Zeitung


Ich fand‘s manchmal etwas platt aber insgesamt unterhaltsam genug, dass ich an einigen Stellen laut aufgelacht habe. Dabei geht es nicht wirklich nur um das Essen und vor allem Trinken (von Alkohol). Mir persönlich gefiel auch die Geschichte von der Buchmesse in Bosnien, in der die Europäische Literatur quasi zum Sprachenwettkampf antrat, ziemlich gut. Lässt sich zum heiteren Zeitvertreib - bei mir im Bus und beim Joggen - auch inklusive der humoristischen Plumpheiten genießen. Den markanten russischen Akzent des vortragenden Autors mochte ich nach einer kleinen Eingewohnweile sehr gerne.


🍻 🍖🍸



Freitag, 7. August 2026

Tan Twan Eng, Das Haus der Türen

Seiten: 352
Dumont Verlag
Erscheinungstag:15.04.2025
ISBN: 978-3-7558-0018-7

„Ich war ein Viertel ‚normal‘ und drei Viertel schwul. Aber ich versuchte mich selbst zu überzeugen, dass es umgekehrt war. Das war mein größter Fehler.“ 

(William Somerset Maugham)

Dieses Zitat ist keins aus dem hier vorgestellten Buch des Malayischen Schriftstellers Tan Twan Eng sondern eins von William Somerset Maugham, der im historischen Roman  „Das Haus der Türen“, in dem reale und fiktionale Elemente sehr gekonnt und berührend zu einer stimmigen Geschichte verwoben werden, eine tragende Rolle spielt. Das Zitat passt außerdem zu einem Hauptthema des Romans.

Wunderschön erzählt mit einem für mich sehr harmonischen Mix aus persönlich-emotionalen, sprachlich brillianten und sachlich-wissen vermittelnden Anteilen. Lebendige und ausdrucksstarke Charaktere, changierende Perspektivwechsel und vor allem interessante Thematik. 


🇲🇾 🚪 🇨🇳


Montag, 27. Juli 2026

Ralf Kramp, Gebrauchsanweisung für die Eifel

 

Ein „Reiseführer“ ganz ohne Bilder (außer dem auf dem Cover) aber mit umso mehr unterhaltsamen Informationen, Geschichte(n) und Geschichtchen, Anekdoten, Adressen und ganz eigenen Tipps zu allem möglichen. Schöner heiter-leichter Erzählstil. Geschrieben vom sonst Krimis schreibenden Ralf Kramp.

Ob Römer, Raser und Rocker auf dem Ring, Krimi- und sonstige Literaturfestivals, Geologie, Musik, Kulinarik, Grenz-, Kriegs- und Schmuggelgeschichten und viel viel mehr … es ist ein bunter mit liebenden Augen geschriebener Spaziergang durch die Eifel.

Mir völlig zufällig in der Münchner Onleihe unter „Neuzugänge“ über den Weg geflimmert, griff ich aus Gründen zu. Erstens habe ich in der Eifel familäre Verbindungen und war schon häufiger dort aber zweitens und momentan wichtigstens steht demnächst eine mehrtägige Wanderung dort an. Also griff ich zu. Fühlte mich bestens unterhalten und inspiriert und habe das Büchlein zeitgleich erworben und verschickt. 


🌳 🫧 🏰

Montag, 13. Juli 2026

Monika Feth, Der Libellenflüsterer

Das schreibt der PenguinVerlag dazu: 

Jettes Freundin Merle ist Tierschützerin mit Leib und Seele. Als sie für einen Artikel zum Thema Tierquälerei recherchiert, wird sie mit einem Fall aus ihrer Vergangenheit konfrontiert: Ein Hund, den sie einst vermittelt hatte, starb wenige Wochen später auf grausame Weise. Der neue Besitzer wurde angeklagt und aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Nun kreuzen sich ihre Wege erneut und Merle kommt einem weit gefährlicheren Geheimnis auf die Spur…

Die fulminante Spiegel-Bestsellereihe von Monika Feth begeistert Millionen Leser:innen. Die Jette-Thriller sind nervenzermürbend, dramatisch und psychologisch brilliant erzählt. Atemberaubende Spannung der Extraklasse!


Taschenbuch, 528 Seiten,

Erschienen am 10.08.2015

ISBN: 978-3-570-30957-5


Auch auf  Krimi-Bewertungsportalen und bei Amazon sind die Bewertungen überwiegend positiv. Trotzdem kann ich mich dem nicht anschließen. Hier und da gibt es einigermaßen spannend konstruierte Abschnitte. Wenn aber auf den ersten hundert Seiten - und das ist der Fall - mehrere komplett voneinander getrennte Erzählstränge auch mit vielen Nebeninfos, die niemals wieder eine Rolle spielen, langatmig verfolgt und erst nach hundert Seiten irgendwie mühsam zusammengeführt - um nicht zu schreiben: mühsam zusammengeflickt - werden, dann ist das für mich in erster Linie zäh. 


Der Buchtitel recht nett … aber wo ist die Verbindung zum Text? Nicht vorhanden. Das Cover ist auch hübsch - ich glaube, es war der Grund für meine Ausleihe. Aber auch dazu: keinerlei Verbindung im Buch. Wurde da was vertauscht? 


Auch die Charaktere für mich nicht glaubwürdig sondern oft regelrecht widersprüchlich. Eben so, zwei Kapitel später total konträr. Für mich am nervigsten die endlosen Tiraden zu Tierschutzaktionen mit auch geschilderten Einzelfällen obwohl das Thema des Krimis (gibt‘s eins?) absolut nichts damit zu tun hat und auch die geschilderten Episoden absolut nullkommanull Rolle im Plot spielen.


Für mich kam beim Lesen das Gefühl auf, die Autorin hätte einfach mal alle Ideen, die sie für Bücher im Kopf hat - und da sind einige brauchbare dabei - in einen Topf geworfen, sich Szenen dazu ausgedacht und Personen (viel zu viele - man muss nicht nur viele Menschennamen, die keine Rolle spielen, unterbringen sondern auch noch uferlos viele Katzen- und Hundenamen, von denen einige tragende, andere überhaupt keine Rolle spielen … verwirrend) konstruiert, die jetzt mit aller Gewalt einen Platz im Buch finden sollten. Manche wurden wohl auch aus vorherigen Bänden der Reihe (die ich nicht gelesen habe) übernommen.Und nun irren sie rollenlos darin herum …


🙈